Dies ist wahrscheinlich eine der schwierigsten Fragen, die in dieser Rubrik je zu beantworten waren – denn schon die Fakten sind nicht so eindeutig, wie man nach dem Lesen der Frage vermuten könnte: Weder sind Radwege auf Sylt normalerweise rot, noch sind rote Radwege in Hamburg selten. Und dann ist auch noch alles andere als klar, dass ein roter Radweg besser funktioniert als ein andersfarbener.

Aber der Reihe nach. Auf Sylt ist es so: "Wir haben Gehwege, auf denen Fahrrad gefahren wird, radfahrerfreie Gehwege, Einrichtungsradwege, Zweirichtungsradwege, Fahrradstraßen, Fahrradstreifen – also eigentlich haben wir in unserer kleinen Gemeinde alles, was man sich vorstellen kann, und keiner blickt mehr durch." So beschrieb Bürgermeister Nikolas Häckel im vergangenen Jahr den Status quo. Das Schlimmste an den Sylter Verhältnissen ist, dass praktisch alle diese unterschiedlichen Radwege vorschriftswidrig angelegt und darum untauglich sind. In den Worten des Bürgermeisters: Man könne "alle Radwegeschilder eigentlich abbauen".

Was das mit der Farbe zu tun hat? Nun, auf einer Sylter Straße sind die Verhältnisse besonders ärgerlich, nämlich auf der Hauptstraße, die den Hauptort der Insel durchquert, Westerland. Diese Hauptstraße wurde erst kürzlich saniert, nur dass bei der teuren Baumaßnahme niemand an vernünftige Radwege gedacht hat. Nun hilft sich die Gemeinde dort mit roten Markierungen für Radwege an einigen besonders heiklen Stellen. So weit es Sylt betrifft, ist Rot in der Radweggestaltung demnach die Farbe des Scheiterns.

In Hamburg wiederum sind gar nicht so wenige Radwege rot, allerdings sind sie nicht rot markiert, sondern rot gepflastert. Sei es aus Liebe zu roten Klinkern, sei es, weil sich diese Radwege schnell aufreißen und wieder verschließen lassen, wenn Handwerker an darunter verlegte Kabel oder Rohre müssen – rote Verbundsteine aus Beton waren in Hamburg einige Jahre lang der bevorzugte Werkstoff der Radwegplaner.

Wie auf Sylt sind diese Radwege gewöhnlich zu schmal und entsprechen den heutigen Vorschriften nicht mehr. Dazu kommt ein weiterer Nachteil: Sie lassen sich schlecht befahren. Ein Vergleich des Heidelberger Umwelt- und Prognose-Instituts ermittelte für die gepflasterten Radwege des Hamburger Typs, verglichen mit Straßenasphalt, für die Radfahrer einen um 40 bis 50 Prozent erhöhten Kraftaufwand – und das für Wege in neuem Zustand, also bevor Baumwurzeln, Frost und Bauarbeiten sie in Buckelpisten verwandeln. Rote Radwege in Hamburg funktionieren darum fast ausnahmslos ziemlich schlecht.

Und dann ist da noch ein Spezialfall: der Radweg am Mühlenkamp in Winterhude, der auf Drängen einer Bürgerinitiative rot eingefärbt wurde, in der Hoffnung, die Farbe möge Autofahrer davon abhalten, ihn als Parkplatz zu nutzen. Der Mühlenkamp ist eine enge Straße mit vielen Geschäften, die Autofahrer geradezu einladen, für Besorgungen auf dem Radweg zu halten. Gemessen an dieser Ausgangslage, kommt man als Radfahrer dort inzwischen gut durch, was am roten Radweg liegen könnte, vielleicht aber auch daran, dass die Polizei falsches Parken in der Straße nicht mehr duldet.

Knapp zusammengefasst: Die roten Radwege, die es auf Sylt und in Hamburg bislang gibt, funktionieren meist eher schlecht. Wahrscheinlich könnte man bessere rote Radwege bauen, aber sollte man das tun? Hier nur ein Hinweis: Roter Asphalt an sich ist nicht sehr teuer, aber nach der Fertigung müssen die Mischgeräte mit erheblichem Aufwand gereinigt werden. Und auch rote Asphaltflächen müssten gelegentlich geflickt werden, mit dann sehr kleinen Mengen eigens angemischten roten Asphalts.