Döbel sagt, die Sache mit dem Galgen beschäftige ihn bis heute. Die Staatsanwaltschaft Dresden sah den Galgen durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Döbel nahm das zum Anlass, den Galgen im Miniaturformat über seine Website zu verkaufen. "Bekannt aus Funk und Fernsehen", schrieb er dazu. Schließlich klagte Sigmar Gabriel gegen den Verkauf des Galgens wegen der Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte.

Jüngst ist Döbel vom Prozess am Landgericht in Hamburg zurückgekommen. Er kichert: "Schade, dass der große Sigmar nicht da war." Der Verkauf des Galgens ist ihm vorerst untersagt.

Zur Puppe an der Brücke sagt Döbel: "Ich war’s nicht. Ich hatte keine Zeit." Er lacht, als habe er eine Chance verpasst. Das Ganze sei ein Jugendscherz oder von Linken inszeniert. Etwas anderes könne er sich nicht vorstellen. Auf den NSU angesprochen, sagt der braun gebrannte Familienvater neben Döbel: "Alles nicht bewiesen." Dann erklärt er, was wirklich schlimm sei: "Dass ein deutsches Mädchen von einem Dunkelhäutigen angegriffen wurde."

Die Frauen am Tisch spielen den Kindern Musik aus Disneyfilmen auf ihren Smartphones vor und flechten den Mädchen dabei Zöpfe. Der Gastgeber ergreift das Wort. Es müsse alles getan werden, um die "Völkerdurchmischung" aufzuhalten, die in Europa geplant sei. Eine "hellbraune Rasse" müsse in jedem Fall verhindert werden, gesteuert "vom Juden, der den Geldfluss überwacht". Pause. "Nicht, dass ich jetzt was gegen Juden hätte", fügt er dann hinzu. "Hast du aber gerade gesagt", sagt Döbel und lächelt.

Jens Döbel sagt, er mache PR für seine Sache. Er möchte, dass alle Welt hinschaue und sehe, was mit seinem Land passiere. Dass die Parteien die Bürger im Stich ließen, dass auf einmal Geld für Flüchtlinge da sei, aber nicht für Deutsche, dass Kinder auf der Straße nicht mehr sicher seien. Er ist vorsichtig damit, was – und wie er es sagt. Er geht lieber in Stadtratssitzungen und "zeigt Präsenz". Er strebt lieber Dienstaufsichtsbeschwerden gegen das Verhalten der Oberbürgermeisterin an. Noch habe sein Verein Freigeist nur 28 Mitglieder. Aber die Zustimmung in der Bevölkerung wachse.

"Bin ich wieder der böse Rechte?", wird Döbel nach dem Treffen per SMS fragen. Sein Bild in den Medien amüsiert ihn in etwa so sehr wie die Tatsache, dass er und sein Verein vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Er findet das lustig.

Am Bahnhof, in der Nähe der Bahngleise, sieht man ein paar der Menschen, die der Verein Freigeist lieber nicht im Land haben will. 200 Asylbewerber leben in Schwarzenberg, sechs von ihnen sitzen gegenüber vom Bahnhof auf einer Parkbank. Von der Puppe haben sie nichts gehört, dabei hing sie nur wenige Meter von hier entfernt.

Angst haben sie dennoch. Dass sie abends nicht allein auf die Straße gehen, ist für zwei junge Männer aus Gambia selbstverständlich. Einer von ihnen sei vor sieben Monaten zusammengeschlagen worden, erzählt er. Die Polizei habe die Täter nicht finden können. Er scheint zu glauben, dass sie nie gesucht wurden.

Wenn die Nazis nur redeten, sei für ihn alles in Ordnung, sagt ein 23-Jähriger Tschetschene. Er wisse genau, wer nur Drohungen ausspreche und wer zuschlage. Gestern zum Beispiel, da hätten sich acht Männer und eine Frau vor zwei Afghanen aufgebaut, die aus dem Bus aussteigen wollten. Die Frau habe die jungen Männer angeschrien, sie sollten zurück in ihr Land. Sie habe gegen die Türen des Busses geschlagen. Er sei dazwischengegangen. Wegen so etwas, sagt er, gehe er nicht zur Polizei, "so etwas regeln wir unter uns".

Korrekturhinweis: In der ursprünglichen Version dieses Textes schien es so, als läge Jena in Sachsen. Es liegt aber in Thüringen. Wir haben das online korrigiert. Die Redaktion.