Vielleicht ist es gut, dass diese Geschichte eines homosexuellen Schicksals in der DDR so nüchtern erzählt wird; vielleicht ist es aber auch nicht so gut. Es ist die Geschichte eines großen Unglücks, doch Christoph Heins Sprache kennt keine Tränen. Sie krümmt sich nicht unter den Schmerzen seines Helden, sie ist überhaupt nicht biegsam. Sie stelzt wie ein Storch, mit langem Bein und steifem Knie, durch den Morast von Nachkriegsbürgervorurteilen und marxistisch-leninistischer Heuchelei, kann aber sehr wohl mit raschem Storchenschnabel auch die eine oder andere eklige Kröte nach oben und ans Licht befördern. Insofern bildet sich beim Leser durchaus Abscheu hier und da – und für das Schicksal des unterdrückten Jugendlichen, später verängstigten und schließlich erpressten Hochschullehrers ein gewisses, wenngleich schwaches Mitgefühl. Auf jeden Fall lässt sich sagen: Eine emotionale Nötigung des Lesers findet nicht statt.