Ihren Erfolg verdankt die Serie 4 Blocks nur bedingt Dramaturgie und filmischer Ästhetik. Die Geschichte über die Gangster eines arabischen Clans in Berlin-Neukölln ist eher konventionell gefilmt: Die erste Staffel erzählte das Leben des jungen Familienvaters Toni Hamady, der sich aus dem Verbrechermilieu zu befreien versucht. Zu Beginn der zweiten Staffel sieht man Toni – gespielt von Kida Khodr Ramadan – jedoch im Libanon, wo er das Monopol für die richtig großen Drogenlieferungen klarmacht. Toni ist der neue Pate, den Hamadys soll von nun an ganz Berlin gehören. So weit, so cool. Richtig spannend wird die Serie aber erst durch die Bezüge zur Realität. Für den Zuschauer empfiehlt sich deshalb die begleitende Lektüre einschlägiger Artikel zum Thema Clan-Kriminalität (etwa das Dossier aus der ZEIT Nr. 28/18). Die Autoren und Regisseure der Serie legten so viel Wert auf die Authentizität, dass unter den Darstellern auch Rapper sind, die entweder selbst Haftstrafen absaßen oder sich mit Männern aus echten Berliner Clans freundschaftlich verbunden zeigen. Am Drehbuch habe zuletzt ganz Neukölln mitgeschrieben, heißt es halb ironisch aus dem Umkreis der Produktion. So tauchten bei der Premiere der zweiten Staffel von 4 Blocks vorige Woche in Berlin prompt viele muskulöse Männer aus dem Milieu auf – beobachtet von einem halben Dutzend LKA-Beamter.

Die Serie wirkt aber noch auf einer anderen Ebene in die Wirklichkeit hinein: Auf den Straßen Neuköllns ahmen Schüler längst Toni Hamady und seine Bande nach, sie fühlen sich durch Sprache und Stil repräsentiert, das Gangsterding wird für sie zur Ermächtigungsstrategie. Und so stellt sich die alte Frage nach der Verantwortung der Kunst. "Ich kotz im Strahl", hatte ein Staatsanwalt gesagt, angesprochen auf die Serie. Vielleicht wurden auch die Macher irgendwann nachdenklich. Jedenfalls inszenieren sie in der zweiten Staffel das Verbrechen deutlich weniger gut gelaunt und lässig. Die Szenerien sind nicht mehr sonnig und farbenfroh, sondern fast ausnahmslos kalt, kaputt und düster, die Musik dräut im tiefen Bass. Es gibt nichts mehr zu feiern, das fortgesetzte Schlittern ins Verderben, das "breaking bad", evoziert eine depressive Stimmung. Und Pate Toni? Muss ständig Angsthemmer schlucken.

Die neue "4 Blocks"-Staffel ist auf TNT Serie zu sehen.