Was für eine Enttäuschung! Da hat Alfonso so lange darauf gewartet, dass die große Schwester endlich lesen lernt und ihm künftig alle Bücher der Welt vorlesen kann, und dann steht sie da und sagt: "Ich kann das nicht!"

Was für ein Frust! Da hat Natalie sich so lange danach gesehnt, endlich lesen zu lernen, um sich künftig alle Bücher der Welt selbst zu erobern, und dann sehen die Buchstaben und Wörter aus "wie Stacheln oder Vogelspuren". Was allerdings schon fast ein Segen ist, denn die Geschichten in der Lesefibel sind eine einzige intellektuelle Beleidigung.

Die Britin Daisy Hirst hat eine empathische und Mut machende Bildergeschichte für Leseanfänger (und deren Begleiter) erdacht. Sie zeichnet ihren monsterartigen Breitmaulwesen mit wenigen Strichen den Verdruss so treffend in Gesicht und Körperhaltung, dass man Natalie und Alfonso sofort selbst vorlesen möchte, um sie weiterhin an den Zauber von Büchern glauben zu lassen. Ist aber gar nicht nötig.

Sie müsse nur üben, beruhigt die Mama. Die Bücher würden auch besser, tröstet der Papa. Und Natalie? Mag sich nicht länger quälen und erfindet einfach eigene Geschichten. Die sind so gut, meint Alfonso, die sollten in ein Buch. Dorthin gelangen sie dann auch.

Daisy Hirst: Alfonso, ich kann das nicht! Deutsch von Sophie Birkenstädt; Aladin Verlag 2018; 40 S., 14,95 €