ZEIT: Sie haben die Konzeptionsförderung der Stadt Hamburg bereits zum zweiten Mal erhalten.

Pfundtner: Ja. Ich hatte mich vor der Bewerbung mit der damaligen Kultursenatorin Barbara Kisseler getroffen, weil ich mir nicht sicher war, ob ich mich überhaupt noch einmal darauf bewerben sollte oder ob ich nicht eher Platz für andere Künstler machen sollte. Frau Kisseler kannte sich gut aus in der freien Szene. Sie gab mir deutlich zu verstehen, dass ich nicht pokern sollte, da die Stadt keine anderen Mittel habe, mich finanziell aufzufangen. Ich habe meine Bedenken noch mal in einem Brief an die Jury formuliert. Aber letztendlich hatte ich keine andere Möglichkeit.

"Die Menschen hier beklatschen uns ab und zu, aber so ein richtiges Verständnis, was die freie Szene ist und will, gibt es leider nur bei wenigen."

ZEIT: Ist die freie Szene solidarisch, oder beneiden Ihre freien Kollegen Sie um Ihre Förderung?

Pfundtner: Ich empfinde sie als solidarisch. Vor allem in Hamburg bemüht man sich, zu den Premieren der Kollegen zu erscheinen, man tauscht sich aus.

ZEIT: Die freie Szene Hamburgs ist gewissermaßen eine Leidensgemeinschaft: Während das Deutsche Schauspielhaus 2017/18 mit über 26 Millionen Euro gefördert wird, das Thalia mit 22,3 Millionen, ist die freie Szene mit rund einer Million Euro pro Spielzeit chronisch unterfinanziert. Wird sich das je ändern?

Pfundtner: Hamburg ist eine Hanseatenstadt, die immer Ballett, Musical und Elbphilharmonie abfeiern wird. Das ist so. Die Menschen hier beklatschen uns ab und zu, aber so ein richtiges Verständnis, was die freie Szene ist und will, gibt es leider nur bei wenigen. Aus Erfahrung traue ich mich kaum, zu euphorisch zu sein, was den nächsten Doppelhaushalt angeht. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

ZEIT: Wenn Kultursenator Carsten Brosda jetzt mit am Tisch sitzen würde, was würden Sie ihm sagen?

Pfundtner: Herr Brosda, Sie wissen doch auch: Wir sind jetzt dran!

ZEIT: Haben Sie schon mal überlegt, Hamburg zu verlassen?

Pfundtner: Ja, es gab Überlegungen. Mein Geburtsland ist Nordrhein-Westfalen, da wurde ich auch immer sehr gefördert. Aber ich arbeite und lebe hier sehr gerne. Und der lange Atem hat sich ausgezahlt.

"Wenn ich meine Renteninfos öffne, schaltet sich mein Gehirn aus."

ZEIT: Sie haben zwei Kinder. Reicht Ihr Geld für alles, was die beiden brauchen?

Pfundtner: Jetzt gerade ist alles okay. Meine Kinder haben zwei Bausparverträge von ihren Großeltern, und vom Jugendamt gibt es viel Unterstützung für Menschen, die in Abendberufen arbeiten. Meine Kinder sind drei und acht, sie sind zum Glück noch nicht in dem Alter, in dem sie Ansprüche stellen. Aber wenn mich jemand fragen würde: "Wie finanzierst du deinen Kindern das Studium?", dann würde ich sagen: "Äh ... Ich habe einen Antrag gestellt." (lacht)

ZEIT: Haben Sie Angst vor der Zukunft?

Pfundtner: Ja, natürlich. Wenn ich meine Renteninfos öffne, schaltet sich mein Gehirn aus. Ich habe ständig mit Zahlen zu tun, ich arbeite konstant viel. Und dann kriege ich gar nichts, wenn ich aufhöre zu arbeiten? Das ist so unverständlich, so traumatisierend, so absurd, dass mein Gehirn es nicht verarbeiten kann.