Und nun soll das alles zu Ende gehen? "Ach was!" Stoiber will nicht daran glauben. Noch sei ja nichts verloren, die Wähler seien unentschlossen und die Umfragen unpräzise. Das kleine Einmaleins der Autosuggestion, das jeder Wahlkämpfer kennt, beherrscht Stoiber noch immer, er wirbelt im Drehstuhl herum, die Hände fliegen durch die Luft. Aber irgendwann im Gespräch wird er still, nimmt die Brille ab, stützt die Ellbogen auf den Tisch und sagt: "Jede Generation hat ihre Herausforderungen. Und dieses Mal sind sie gewaltig."

Denn die einst kraftstrotzende CSU wirkte in den vergangenen Monaten seltsam richtungslos. Erst redete man wie die AfD, dann wollte man sie ignorieren, um sie schließlich doch zu attackieren. Je höher die Konkurrenz am rechten Rand in den Umfragen schoss, umso schneller kreiste die CSU um ihren neuen Gegner, bis sie selbst irgendwann ganz benommen war.

Nun haben sie noch einmal Plakate gedruckt, Strauß’ Gesicht ist darauf zu sehen, dazu der Satz: "Strauß würde die AfD bekämpfen". Entschlossen soll das klingen. Aber eigentlich klingt es verzweifelt. Und es kommt ein bisschen spät.

Da half es auch nicht, dass Markus Söder in den vergangenen Wochen wie aufgedreht durch Bayern hetzte. Rund 200 Großveranstaltungen, eine Viertelmillion Leute, so rechnete er es vorige Woche im Parteivorstand vor. In den letzten Tagen vor der Wahl steht er morgens an U-Bahn-Eingängen, mit Kaffee und Brezeln. Ein Ministerpräsident, der Frühstück verteilt. Das gab’s noch nie, sagen sie in der CSU.

Aber sie sagen auch: Da versucht jemand mit Kraft zu überdecken, was an Strategie fehlt.

Als eine Umfrage Söder vor einigen Wochen als unbeliebtesten Ministerpräsidenten der Republik zeigte, sei er tagelang ganz düster gewesen, erzählt einer, der ihn gut kennt. Er tut, was er kann, doch was er tut, scheint nicht genug zu sein. Das bürgerliche Lager zerfranst nun auch in Bayern. Die Wähler verschwinden leise zu den Grünen und laut zur AfD, und in der Mitte steht die CSU, die beinahe verrückt wird beim Versuch, den Laden irgendwie zusammenzuhalten.

Die absolute Mehrheit ist für die Partei zur unerreichbaren Größe geworden. Stattdessen ficht sie mitten im Wahlkampf bereits die Deutungsschlacht um die drohende Niederlage aus. Im Sommer schon begannen Söder-Freunde in den Medien eine simple Analyse zu streuen, der eine ebenso simple Konsequenz folgte: Seehofer ist schuld, und Seehofer muss weg. Die Probleme der CSU seien in Berlin entstanden, also müssten sie in Berlin gelöst werden. Und "gelöst" bedeutete in diesem Fall, dass die CSU nach der Wahl einen neuen Parteichef bekommt.