Allein: Horst Seehofer will nicht gehen. "Die können ja gerne versuchen, mich vom Hof zu jagen", sagte er vor einigen Tagen zu einem Vertrauten. "Ich wünsche viel Spaß dabei." Und weil der Plan der Söder-Leute auf der Annahme basiert, dass Seehofer unter dem öffentlichen Druck einknickt, wird es sehr schnell sehr kompliziert, wenn er es einfach nicht tut.

Das hat zum einen mit der Verfassung des Freistaats zu tun: Binnen vier Wochen nach der Wahl muss der Bayerische Landtag einen Ministerpräsidenten wählen. Bis dahin müssen also Gespräche geführt, Posten verteilt und muss ein Koalitionsvertrag ausgehandelt werden.

Wenn Seehofer nach der Wahl nicht zurücktritt, müsste die Partei wohl einen Sonderparteitag einberufen, um dort einen neuen Parteichef zu wählen. Die drei Bezirksverbände, die es brauchte, um einen solchen Parteitag zu beantragen, hätte man gewiss schnell zusammen. Die Folge aber wäre, dass die Partei in kürzester Frist nicht bloß über eine Koalition verhandeln müsste, sie wäre zudem gefangen in einem Machtkampf, von dem erfahrene Leute sagen, er werde "so schmutzig, dass das eigentlich keiner wollen kann".

Denn wenn man sich bei Horst Seehofer zuletzt auf eines verlassen konnte, dann war es seine Bockigkeit. Schon möglich, sagen manche, dass er auch auf einem Sonderparteitag einfach wieder antritt, ganz nach dem Motto: "Dann sollen sie mich halt abwählen!" Es brauchte dann also einen Herausforderer. Nach Lage der Dinge müsste das Markus Söder sein. Der soll intern allerdings angedeutet haben, dass er so unmittelbar nach der Wahl keine Ambitionen habe, seinen alten Rivalen selbst aus dem Amt zu drängen. Im Kampf gegen Seehofer wolle er sich die Finger nicht weiter schmutzig machen, heißt es. Und wäre es nicht auch etwas gewagt, nach dem historischen Machtverlust sofort die uneingeschränkte Macht für sich zu beanspruchen?

Der Anführer der CSU im Bundestag wiederum, Alexander Dobrindt, der sehr gerne Parteichef wäre, gilt selbst bei seinen Unterstützern in der Partei als "nicht vermittelbar". Und der liberale Europapolitiker Manfred Weber ist zwar in der Partei beliebt, will aber im kommenden Jahr Chef der EU-Kommission werden. Da wäre es ein bisschen viel verlangt, nebenbei auch noch die eigene Partei zu retten, zumal er weiß, dass sich das alte CSU-Ressentiment gegen "Brüssel" immer noch verlässlich aktivieren lässt.

Die Partei würde Markus Söder wohl folgen, heißt es. Aber dennoch erinnern sich gerade auffällig viele daran, dass es Söder war, der im Sommer dieses Jahres vom "Asyltourismus" sprach und der den Streit mit der CDU zum "Endspiel um die Glaubwürdigkeit" aufblies. Auch wenn er sich seit Wochen größte Mühe gibt, nur noch im landesväterlichen Bass zu sprechen: Unbescholten ist Söder nicht.

So mehren sich nun die Stimmen, die fordern, auf die Krise mit Beständigkeit zu reagieren. In seinem Büro verschränkt Edmund Stoiber die Arme vor der Brust. "Was wir nach der Wahl brauchen, ist Stabilität", sagt er. "Personalquerelen sind das Gegenteil davon." Auch Stoibers Nachfolger, der Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein, sagt: "Wir sollten Geschlossenheit zeigen. Ein Machtkampf nach der Landtagswahl würde uns allen schaden."