So leicht wie am vorigen Samstag war es lange nicht mehr, gegen die Bayern dreimal zu treffen. Erstes Tor für Gladbach: Niklas Süle, Bayerns Innenverteidiger, findet keine Anspielstation und verliert den Ball gegen Lars Stindl, etwa dort, wo sich Mittel- und Seitenlinie kreuzen. Eigentlich eine ungefährliche Zone, doch die Bayern-Elf kann das Unheil nicht verhindern. Spielerisch leicht, aber nicht mal in hohem Tempo kombinieren sich die Borussen durch das träge Bayern-Mittelfeld. Gladbachs Alassane Pléa wackelt den Bayernspieler Süle aus und schiebt aus knapp zwanzig Metern ins Tor: 0:1. Kurz darauf vertändelt Bayerns Thiago den Ball am Münchner Strafraum und Stindl lässt Mats Hummels ins Leere laufen. Dessen Wenderadius gleicht in dieser Szene dem eines Gelenkbusses. Schuss, 0:2. Beim 0:3, dem Endergebnis, kommt der Schütze rund zehn Meter vor Manuel Neuer frei zum Schuss; nach einer Ecke!

Was ist los in der Liga? Der FC Bayern, Serienmeister der vergangenen Jahre, hat vier Spiele nacheinander nicht gewonnen. Die letzten beiden hat er gar verloren und kein Tor geschossen, ja, er hatte kaum eine Torchance. Nun sind die kürzlich noch angeblich Unbesiegbaren auf Rang sechs gefallen, die Tabelle sieht aus wie in den Neunzigern. Freilich, es sind erst sieben Spieltage vorüber, und die Konkurrenz ist nicht enteilt. Doch ist es Zufall, dass die Bayern wieder schlagbar sind? Liegt es an der Unfähigkeit des neuen Trainers, Niko Kovač?

Der Verein hat eine große Epoche hinter sich, die zweite nach den goldenen Siebzigern mit Beckenbauer, Müller, Hoeneß und Maier. Von 2012 bis 2016, vielleicht auch noch 2017, war der FC Bayern eine der drei besten Mannschaften der Welt. Zuletzt wurde er sechsmal nacheinander mit großem Vorsprung deutscher Meister. 2013 gewann er unter Jupp Heynckes alle drei wichtigen Titel, Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal. Zwischen 2013 und 2016 spielte er unter Pep Guardiola, wie nie eine deutsche Elf zuvor gespielt hat. In seiner ersten Saison wurde der Spanier schon im März (unbesiegt!) Meister.

Doch schon zu dieser Zeit unterliefen den Verantwortlichen Fehler mit Spätfolgen. In den vergangenen zwei Jahren konnten die Ergebnisse die Versäumnisse noch kaschieren, doch die Mannschaft erreichte schon in dieser Zeit nicht mehr die Qualität und die Struktur wie unter Guardiola.

Zwischen den beiden "Goliaths" hockt seit einem Jahr Hasan Salihamidžić, der "David"

Mit Carlo Ancelotti, der den Katalanen im Sommer 2016 ablöste, sank das spielerische Niveau. Zwar wurde der Italiener Meister, doch ein paar Monate später, im Herbst 2017, schon wieder entlassen. Nachfolger Jupp Heynckes gewann viele Spiele, konnte die Mannschaft in seiner nur achtmonatigen Amtszeit aber nicht weiterentwickeln. Die Bayern lebten von ihrer Substanz. Und profitierten in der schwachen Liga vom Mangel an Konkurrenz. In das Bild passt die Niederlage im Pokalfinale gegen den Außenseiter Frankfurt und den neuen Bayern-Trainer Niko Kovač.

Inkonsequenz ist der erste Grund für die Schrumpfung des FC Bayern. In den vergangenen zweieinhalb Jahren werkelten vier Trainer an der Mannschaft herum. Im Management ist die Wankelmütigkeit noch größer. Der Sportvorstand Matthias Sammer kaufte Spieler, der technische Leiter Michael Reschke auch. Beide sind nicht mehr im Verein. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge versuchte eine Stringenz hineinzubringen, inzwischen ist jedoch Uli Hoeneß wieder zum Übervater gewachsen. Zwischen diesen beiden "Goliaths" hockt seit gut einem Jahr Sportvorstand Hasan Salihamidžić, der "David" Bayerns. In der Branche witzelt man schon, die Bayern seien der HSV – nur in Groß.

So verpflichtete der Verein in den vergangenen Jahren eine Schar von Spielern, die sich längst wieder verabschiedet haben: etwa Arturo Vidal, Douglas Costa, Mario Götze, Sebastian Rudy oder Sebastian Rode. Andere sind noch da, haben den Verein aber nicht vorangebracht. Der Nationalverteidiger Mats Hummels ist für die Weltspitze nicht schnell und athletisch genug, zudem neigt er zu eklatanten Stellungsfehlern. Niklas Süle fehlt taktische Reife, Renato Sanches die Spielübersicht, um das Mittelfeld eines Spitzenteams zu bereichern. Und von Joshua Kimmich, der als Zukunft des Vereins gilt, sieht man genau jetzt, wo man ihn sehen müsste, weil es nicht läuft: nicht viel. Wie schon im Nationaltrikot bei der WM in Russland.

Selbst bei der Verpflichtung des wohl besten Fußballers, der zuletzt nach München gelockt wurde, James Rodríguez, schwächelte das Management: Er wurde nur geliehen. Vertrauen sieht anders aus. Selbstbewusstsein auch. Leihgeschäfte sind eine Strategie eines Clubs wie Eintracht Frankfurt. Rodríguez wird in absehbarer Zeit, trotz Kaufoption der Bayern, zu Madrid zurückkehren wollen. Zumindest soll sein Berater bereits entsprechend hinter den Kulissen auftreten. Den Verkauf Jérôme Boatengs zu Paris Saint-Germain versemmelte die Vereinsführung auch, obwohl sich alle Parteien bereits einig schienen.