Walfisch hat ein Geheimnis: Er mag aussehen wie ein alter Mann, "auf seiner Innenseite" ist er ganz jung. Nur seine Enkelin Mücke weiß das. Denn würden ihn die anderen nicht für einen gewissenhaften Herrn halten, dürfte er nicht auf Mücke aufpassen. Jeden Tag spielen, basteln, lachen sie miteinander – bis plötzlich eine Eiszeit zwischen den beiden anbricht.

Warum er nie jemanden grüße, will die Enkelin wissen. Worauf der Opa grummelnd eine lange Geschichte aus jener Zeit erzählt, als auch seine Außenseite noch jung war. Damals sei es nicht üblich gewesen zu grüßen, nicht einmal jene, mit denen man einst gespielt habe.

Der lettische Autor Lauris Gundars erzählt in diesem großartigen kleinen Kinderbuch eine anrührende, warmherzige und sehr lustige Opa-Enkelin-Geschichte; und zugleich erinnert er daran, wie die russische Besatzungszeit das baltische Land gespalten hat, wie die Menschen einander misstrauisch anschwiegen.

Doch dies ist nur der leise Subtext, man liest das Buch mit ebenso großem Vergnügen, wenn man den historischen Hintergrund – wie die kleine Mücke – nicht kennt. Wie das Kind den Opa das Hallo-Sagen lehrt, ist gleichermaßen komisch wie philosophisch. Eine Geschichte, die leuchtet – was nicht nur an den ausdrucksstarken Filzstift-Illustrationen von Anete Melece liegt.

Lauris Gundars/Anete Melece (Ill.): Hallo, Walfisch! Deutsch von Matthias Knoll; Baobab Books 2018; 92 S., 15,90 €