Hunde zu frisieren kann eine blutige Sache sein. Meine Arme und sogar mein Hals sind übersät mit Narben. Einmal bin ich so böse gebissen worden, dass ich operiert werden musste. Es war ein kleiner Hund, der wie aus dem Nichts nach meiner Hand geschnappt hat. Ich würde sagen, es war ein Racheakt, denn Hunde finden es doof, vor mir auf dem Frisiertisch zu stehen.

Ich hatte eine tiefe Wunde zwischen Handgelenk und Innenhand, habe aber sogar noch das nächste Tier frisiert und bin dann erst zum Arzt gegangen. Hinterher konnte ich sechs Wochen lang nicht arbeiten. Das war Mist, denn ich bin selbstständig.

Hunden, die sich nach dem Waschen unter dem Stuhl verstecken, muss ich zuerst ein Halsband wie ein Lasso umwerfen und einen Maulkorb überstülpen. Dann kann ich mit der Arbeit anfangen. Ein weiteres wichtiges Hilfsmittel ist der "Galgen". Das ist ein Gestell über dem Frisiertisch, in dem ich den Hund in ein Geschirr einhängen kann. Heben Sie da mal einen 65-Kilo-Hund hinein!

Schwierig für Hundefriseure ist es außerdem, die Tiere nicht zu verletzen. Ich habe von Kollegen gehört, denen mit der Schermaschine schon Amputationen passiert sind. Denn wirklich alle Hunde hassen es, an den Pfoten und am Kopf frisiert zu werden. Dabei zappeln sie herum. Ich habe einem Hund mal aus Versehen in die Daumenkralle rasiert, die etwas über der Pfote liegt. Dafür musste ich ein paar Hundert Euro zahlen. Es war mein schlimmster Unfall.

Da ist es mir lieber, wenn die Hunde mich anspringen und rammeln wollen. Das ist eine Dominanzgeste, um zu beweisen, dass sie der Boss sind. Dann hebe ich meine Stimme und verschaffe mir Respekt. Es gibt auch Hunde, die sind erregt, wenn ich sie unten am Bauch anfasse, um oben das Fell zu scheren. Manche Rüden fahren dann ihren Penis aus.

In der Natur des Tiers liegt es sicher nicht, zum Friseur zu gehen. In Japan frisieren die den Hunden richtige Kunstwerke ins Fell, der Hund sieht hinterher aus wie eine Giraffe oder so, aber auch nur, bis es wieder regnet. Bei meinen Kunden überwiegt eher der Hygieneaspekt: Unsere kleinen Dreckbacken wühlen herum, oder sie lecken sich mit ihren langen Maulhaaren am Hintern. Da heißt es dann: entfilzen und trimmen.

Hunden die Haare schneiden ist körperlich sehr anstrengend. Ich liebe Hunde. Aber noch mal würde ich mir den Job nicht aussuchen.

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