Diese Zahl geistert seit einem Jahr durch die Medien. In Umlauf gebracht hat sie die deutsche Umweltorganisation Urgewald, zitiert wird sie vor allem von Bremsern des Klimaschutzes – nach dem Motto: Warum deutsche Kraftwerke vom Netz nehmen, wenn weltweit neue gebaut werden? Auch in der ZEIT Nr. 46/17 stand die Zahl. Doch sie ist maßlos übertrieben.

Die Umweltschützer haben diese Zahl der Datenbank Global Coal Plant Tracker entnommen. Dort sind aber auch Kraftwerke aufgelistet, die nur angekündigt wurden – und wohl nie gebaut werden. Allein China hat in den vergangenen Jahren Hunderte von Kraftwerksprojekten gestoppt, weil das Land schon heute eine Überkapazität an Kohlestrom hat. In Indien ist die Situation ähnlich.

Diesen Trend spiegelt auch eine Studie von Greenpeace und dem Sierra Club aus dem vergangenen Jahr wider, die sich auf dieselbe Datenbank stützt. Im Jahr 2016 seien 62 Prozent weniger neue Kraftwerke in Angriff genommen worden als im Vorjahr, 48 Prozent weniger seien neu geplant worden und 29 Prozent weniger ans Netz gegangen. Kohlestrom, das legt dieser Bericht nahe, ist ein Auslaufmodell. Seit 2013 sinkt der Anteil der Kohle an der weltweiten Stromproduktion, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend noch einmal umkehren wird.

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