Die beiden Islandponys Isól und Pjakkur sollten besser in den Stall, wo es schattig ist. Die Sonne knallt an diesem Tag im August auf den staubigen Sandplatz, Fliegen und Wespen surren um die Augen der Tiere. Deshalb öffnet Lea Schmidbauer die Absperrung zum alten Stall, der aussieht, als wäre er zusammen mit den wuchernden Büschen und Bäumen vor langer Zeit aus dem Boden gewachsen. "Eine pinke Ponyhof-Welt hat mich schon als Kind genervt", sagt Lea Schmidbauer, "Pferde bedeuten für mich Freiheit und Wildnis."

Davon erzählt sie auch in ihren Büchern und Filmen um Ostwind, einen wilden schwarzen Hengst. Ostwind ist zu widerspenstig, um in einer Box zu leben und Dressurturniere zu reiten. Nur Mika und später Ari gelingt es, das Pferd zu zähmen – zwei Mädchen, die wie der Hengst anders sind und oft anecken.

Im Garten neben dem wild eingewachsenen Stall hat Lea Schmidbauer sich diese Pferdewelt ausgedacht. Eigentlich lebt sie in München, doch zum Schreiben muss sie raus aus der Stadt. Dann packt sie die Ponys in einen Hänger und fährt mit ihnen zu dem alten Hof auf dem Land. In diesem Sommer hat sie hier das sechste Ostwind-Buch geschrieben. Der große Orkan heißt es und handelt von einem Pferdezirkus, der in Kaltenbach Schutz vor einem großen Sturm sucht.

In Lea Schmidbauers Garten ist von Sturm nichts zu spüren, und die beiden Ponys haben sich kein Stück Richtung Stall bewegt. Sie scharren gerade mit ihren Hufen im Sand. "Pferde machen etwas nur, wenn sie es selbst möchten. Sie sind nicht so brav und dödelig wie Hunde", sagt Lea Schmidbauer. Geritten ist sie schon als Kind. Damals war sie Fan von Indianerfilmen und las Bücher über Wildpferde.

Selbst einmal Pferdebücher zu schreiben, auf diese Idee wäre sie von allein nie gekommen. Lea Schmidbauer studierte an einer Filmschule. Und dann fragte vor acht Jahren eine Firma, ob sie gemeinsam mit einer Freundin das Drehbuch für einen Pferdefilm schreiben wollte. Erst hatten die beiden Frauen Zweifel. Doch dann dachten sie: Warum nicht endlich mal anders von Pferden erzählen? "Eine indianermäßige Geschichte über ein wildes, freies Pferd, die nicht nur Mädchen spannend finden", sagt Lea Schmidbauer.

Der wilde Ostwind kam an – als Film und als Buch. Eine Weile schrieben die Freundinnen zusammen, inzwischen denkt sich Lea Schmidbauer die Geschichten allein aus. Das sechste Buch wird am 29. Oktober erscheinen, der vierte Film kommt im Frühjahr 2019 in die Kinos. Während im Sommer an Filmsets in Nordhessen und in Spanien mehrere Pferde als Ostwind im Einsatz waren, hockte Lea Schmidbauer am Laptop und schrieb – manchmal elf Stunden am Tag.