Feiern, Freunde, Sex: All das ist ins Evies Augen "normal" – und damit höchst erstrebenswert. Laut Evies Tagebuch geht es voran mit dem Normalwerden: Evie nimmt stetig weniger Medikamente, geht wieder zur Schule und auf Partys, ja sie hat sogar Dates (Plural!) – auch wenn die allesamt eine Katastrophe sind. Zum Glück gibt es Amber und Lottie, mit denen Evie über die Typen lästern und lachen kann. Doch die drei treibt mehr um: ein großer Unmut darüber, wie sie als Frauen gesehen und behandelt werden. So gründen sie die "Spinster Girls" , um sich gemeinsam und gegenseitig Lektionen in Feminismus zu erteilen.

Holly Bourne verwebt in diesem Roman zwei derzeitige Trends der Jugendliteratur: die politische Kommentierung aktueller Ereignisse und den Alltagskampf psychisch kranker Menschen. Damit mag sie einzelne Passagen etwas überfrachten, insgesamt liest sich diese eigentlich schwere Geschichte aber sehr leicht, unterhaltsam und vor allem frisch. Bourne brilliert mit witzigen Dialogen und lässt die gebeutelte Evie sarkastisch und ungeschönt auf die eigenen Schwächen blicken – was extrem witzig ist und sie und die übrigen Figuren glaubhaft und liebenswert macht.

Wenn junge Leserinnen nach einem Jahr #MeToo-Debatte durch diesen Roman beginnen, sich mit feministischen Fragen auseinanderzusetzen, ist viel angestoßen. Wer nicht nur lesen, sondern handeln will, kann (dank gewiefter Marketingkampagne) den "Spinster Girls"-Ausweis aus dem Einband schneiden und einen eigenen Club gründen.

Holly Bourne: Spinster Girls. Was ist schon normal? Deutsch von Nina Frey; dtv 2018; 416 S., 10,95 €