Die amerikanische Rechte folgt mit großem Erfolg einem ursprünglich linken Konzept: Sie hat ihre Kader auf den "Marsch durch die Institutionen" geschickt. Die Ernennung Brett Kavanaughs zum Richter am Supreme Court schließt ein politisch-ideologisches Projekt ab, für das rechte Lobbygruppen seit mehr als drei Jahrzehnten gearbeitet haben. Für die Dauer einer Generation, vielleicht länger, wird man nun am Verfassungsgericht eine Mehrheit stellen.

Kavanaugh ist schon seit seinem Studium in Yale Mitglied der Federalist Society. Dieser Zusammenschluss rechter Juristen hatte sich Anfang der Achtzigerjahre gebildet, um die Liberalisierung der Gesellschaft im Laufe der Sechziger und Siebziger zurückzudrehen, und zwar durch die Eroberung der Gerichte. Heute zählt die Gruppe 70.000 Mitglieder, und ihr Kopf, der ultrakonservativ-katholische Leonard Leo, ist Donald Trumps Berater in Fragen der Justiz. Leo hat dem Präsidenten die Liste mit Kandidaten für die obersten Gerichte geliefert, die dieser nun abarbeitet: allesamt sogenannte Originalisten, die mit klarer Tendenz die Verfassung auslegen: gegen Abtreibung, gegen Umwelt-, Minderheiten- und Arbeitsschutz, für Waffenbesitz, für den Schutz großer Privatvermögen (gegen Steuern und Regulierung), für den "Exzeptionalismus" in der Außenpolitik und für die nahezu unbeschränkte Macht des Präsidenten.

Auch an den wichtigen Berufungsgerichten, aus denen oft Verfassungsrichter rekrutiert werden, hat Trump bereits 26 Stellen mit Originalisten besetzt.

Während die Rechte Netzwerke knüpft, führt die Linke Kulturkämpfe, in denen sie den Zeitgeist auf ihrer Seite wähnt. Und in der Tat: Die Enthüllungen über den Kandidaten Kavanaugh sowie sein aggressives Auftreten wirkten mobilisierend auf die Wähler der Demokraten.

Vorerst aber bleibt Trump wieder einmal Sieger. Er hat sein Wahlversprechen eingelöst, die Justiz nach rechts zu verschieben. Die Entrüstung der Linken über seine Ruchlosigkeit nützt ihm bei seinen eigenen Wählern.

Empörung ist eben kein Ersatz für Strategie. Selbst wenn es gelungen wäre, Kavanaughs Berufung durch die Skandalisierung seines Verhaltens zu verhindern, hätten genügend Nachrücker von Leonard Leos Liste zur Verfügung gestanden, die der gleichen konservativen Ideologie verhaftet sind.

Im verständlichen Aufschrei über den offenen Sexismus in der Affäre Kavanaugh geht eine bittere Wahrheit unter: Die Republikaner sind einfach besser in der Kunst, sich Macht und Einfluss im Staat zu sichern.