Die Dieselfahrerin

Anuschka Eberhardt lebt mit ihrem Mann und den drei Kindern im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Sie ist Mitglied im ZEIT-Wirtschaftsrat und fährt einen alten Diesel.

"Wie es weitergeht? Das wissen wir nicht. Nur, dass es schwierig wird. Unseren Volvo XC90 haben wir seit einem Jahr. Weil wir drei Kinder haben, brauchen wir ein großes Auto. Der Wagen war schon zehn Jahre alt, als wir ihn kauften, ein Neuwagen ist zu teuer. Wir dachten: Ein Volvo, der hält noch ein paar Jahre. Dass es ein Diesel ist, hat uns nicht gestört. Er hat ja die Euro-4-Norm, also haben wir darauf vertraut, dass schon alles in Ordnung ist.

Wir wohnen in einem kleinen Ort auf der Schwäbischen Alb. Mein Mann arbeitet in Stuttgart und pendelt. Mit dem Auto braucht er eine Stunde zwanzig Minuten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden. Wenn er mit dem Diesel nicht mehr nach Stuttgart darf, hat er ein echtes Problem. Warum schafft man nicht gute Alternativen, bevor man etwas verbietet? Wenn wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Stuttgart fahren, müssen wir mehrfach umsteigen, wir verpassen Anschlüsse, dann ist wieder was gesperrt, es gibt Schienenersatzverkehr. Kollegen meines Mannes haben das versucht und sind entnervt wieder aufs Auto umgestiegen.

Auch privat wird das für uns schwierig. Mein Vater wohnt in Stuttgart, den besuchen wir regelmäßig, wir haben dort Freunde, gehen ins Museum, in den Zoo. Wenn das nicht mehr mit dem Auto möglich ist, werden wir leider einfach seltener dorthin fahren. Was sollen wir machen? Auch einkaufen werden wir woanders. Wie stellen sich das denn unsere Entscheidungsträger vor? Wie viele Einkäufe kann ich tragen, wenn ich mit drei Kindern in der U-Bahn fahre? Das ist schlicht unmöglich.

Wenn ich in der Zeitung lese, dass es jetzt Umtauschprämien gibt, kann ich nur verständnislos den Kopf schütteln. Erstens bietet Volvo das nicht an. Klar, man kann versuchen, einen Rabatt auszuhandeln. Aber bei unserem Budget ist an einen Neukauf nicht zu denken. Wir haben für unser Auto 13.000 Euro bezahlt. Wenn wir das Auto jetzt verkaufen würden, dann bekämen wir nichts mehr dafür. Wer kauft schon einen Diesel der Euro-4-Norm? Ein neuer Wagen würde zwischen 30.000 und 40.000 Euro kosten. Das ist schlicht zu viel. Selbst wenn es eine Prämie von 5000 Euro gäbe, wäre das ein Witz.

Und selbst wenn wir jetzt einen neuen Wagen kaufen würden, sollten wir dann einen Benziner kaufen, der zwar weniger Stickoxide, dafür umso mehr Feinstaub ausstößt? Und zudem deutlich mehr verbraucht? Wer weiß, ob in fünf Jahren nicht ein Feinstaubverbot kommt? Schon jetzt ist gefühlt die Hälfte des Jahres Feinstaubalarm in Stuttgart."

Autoindustrie - EU-Staaten wollen Abgasgrenzwerte senken Die Umweltminister der EU-Länder haben sich auf neue Klimaschutzvorgaben geeinigt. Bis zum Jahr 2030 sollen der CO2-Ausstoß von Neuwagen um 35 Prozent gesenkt werden. © Foto: Sean Gallup/Getty Images

Der Handwerker

Christian Rockendorf koordiniert bei der Unternehmensgruppe Heinrich Schmid aus Reutlingen den Fuhrpark. Der Malerbetrieb hat rund 2500 Fahrzeuge im Einsatz, vor allem dieselbetriebene Lieferwagen.

"Es wird momentan zwar vor allem über Privatkunden gesprochen, aber das Thema Diesel betrifft unseren Fuhrpark natürlich auch. Wir müssen uns gut überlegen, wie wir reagieren. Ganz alte Stinker haben wir nicht mehr in Betrieb, aber der Großteil der Flotte besteht aus Euro-5-Fahrzeugen.

Wir sind als Handwerksunternehmen in ganz Deutschland im Einsatz und fahren dorthin, wo der Kunde uns braucht. Elektroantriebe sind da noch keine Alternative, vor allem aufgrund der geringeren Reichweite. Und auf Benziner umzusteigen ist für unsere Firma auch nicht praktikabel. Wir sind also vorerst an den Diesel gebunden und müssen jetzt erst mal alles auf uns zukommen lassen.