Neulich erschien in der Bangkok Post ein Artikel, der mir blitzartig Erleuchtung über ein Problem westlicher Konsumenten verschaffte. Ich verfolge die thailändische Presse zwar nicht regelmäßig. Weil der Text aber in der Süddeutschen Zeitung zitiert wurde, habe ich auf Umwegen davon erfahren: Das Land hat ein Problem mit dicken Mönchen.

Die buddhistischen Mönche ernähren sich von Lebensmittelspenden. Sie essen und trinken also nur, was andere ihnen schenken. Und das ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht immer das Allergesündeste. Die Folge: drei Kilo mehr in zehn Tagen. So beichtete es ein junger Mönch der Zeitung. Seine orangefarbene Robe spannte bald, und nicht nur seine. Dicke Mönche sind ein Massenphänomen.

Jetzt zur Erleuchtung: So wie die Mönche ihr Essen von der Bevölkerung bekommen, erhalten wir unseres von der Lebensmittelindustrie. Nicht geschenkt, sondern gegen Geld, aber genau wie bei den Mönchen im Überfluss und mit viel zu viel Zucker, Salz und Fett. Dazu wird gern gesagt, dass gesunde Ernährung wichtig sei und man ja nicht zu viel Junkfood essen solle. Subtext: Wer zunimmt, ist selber schuld, alles eine Frage des Willens.

Dass der Geist williger ist als das Fleisch, hatte ich schon vermutet. Hüftgold ist auch in Deutschland weitverbreitet, und ich bezweifle, dass die meisten Menschen sich ihre Wampe absichtlich anfressen. Die orange gekleideten Mönche gelten hierzulande (schauen Sie sich die Werbung für eine beliebige Heils- oder Ernährungslehre mit Fernost-Bezug an!) als Goldstandard der Selbstdisziplin, Willensstärke und Askese. Wenn sie es aber nicht schaffen – nicht einmal sie! –, Nein zu sagen, wie soll das erst einem normal-schwächlichen Durchschnittskonsumenten gelingen? Wie soll das gehen? So sind die dicken Mönche wandelnde Argumente für jeden, der den Gehalt von Salz, Fett und Zucker in Nahrungsmitteln gesetzlich begrenzt sehen will.