Als Paul Romer Chefvolkswirt bei der Weltbank war, hat er sich eine besondere Vorschrift ausgedacht. Weil ihn die oft ausschweifenden Berichte seiner Mitarbeiter nervten, führte er eine Obergrenze für die Benutzung des Bindeworts "und" ein. Wenn dieses Bindewort mehr als 2,6 Prozent der Gesamtzahl der Wörter in einem Text ausmache, werde er ihn nicht zur Publikation freigeben, schrieb er in einer internen Rundmail. Die Sache nahm kein gutes Ende: Romer hatte sich mit dieser und anderen Aktionen so unbeliebt gemacht, dass er seinen Job bei der Weltbank schon nach wenigen Monaten wieder los war und auf seinen Posten als Professor an der Universität von New York zurückkehrte.

Dafür ist er nun in den Olymp der Ökonomie aufgenommen worden. Am Montag wurde Romer der Wirtschaftsnobelpreis – genauer gesagt: der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis der Schwedischen Reichsbank – verliehen, zusammen mit seinem Kollegen William ("Bill") Nordhaus von der Universität Yale. Die Wissenschaftler, so die Begründung, hätten Methoden entwickelt, "um einige unserer wesentlichsten und drängendsten Fragen zu beantworten, nämlich wie wir langfristig anhaltendes und nachhaltiges Wachstum schaffen können". Mit ihrer Entscheidung macht die Jury deutlich, wie politisch relevant die Wirtschaftswissenschaft sein kann, wenn sie sich auf die Lösung realer Probleme konzentriert, statt sich in abstrakten Modellwelten zu verlieren.

Dabei ist es nicht so, dass Romer und Nordhaus Modelle ablehnen. Der Kern der Arbeit von Nordhaus ist ein hochkomplexes mathematisches Gleichungssystem, das abzubilden versucht, wie sich ein Anstieg der Treibhausgasemissionen auf die ökonomische Aktivität auswirkt und welche Kosten Maßnahmen zur Vermeidung von Emissionen verursachen. Die Logik des Modells ist denkbar trivial: Wenn die Menschen mehr konsumieren, hat das Folgen für die Erderwärmung, weil bei der Herstellung der meisten Konsumgüter fossile Brennstoffe verwendet werden. Der Klimawandel wiederum hat seinerseits Folgen für den Wohlstand, zum Beispiel weil die Gefahr von Naturkatastrophen und Überschwemmungen steigt.

Die Leistung von Nordhaus besteht darin, diesen Zusammenhang in mathematischen Formeln ausgedrückt zu haben. Das ist dann schon weniger trivial. Denn dadurch lassen sich die Kosten verschiedener Klimaschutzmaßnahmen berechnen. Mit diesem Verfahren kann diejenige bestimmt werden, mit der sich das Klima am besten schützen lässt. Wobei das für Nordhaus nicht die Maßnahme ist, die das Klima maximal schützt, sondern diejenige, die den Wohlstand der Menschheit maximal steigert.

In der Ökoszene ist dieses Vorgehen umstritten, weil man beispielsweise argumentieren könnte, dass die Natur an sich schützenswert sei. Doch Nordhaus geht es um den Menschen. Und damit müssen für ihn beim Klimaschutz wie bei jeder anderen politischen Entscheidung Kosten und Nutzen gegeneinander abgewogen werden. Er sucht nach der Lösung für ein Optimierungsproblem.

So wäre es nach seinen Berechnungen zwar möglich, den Temperaturanstieg bis zum Jahr 2085 auf weniger als eineinhalb Grad (im Vergleich zu den Werten des Jahres 1900) zu beschränken. Dazu wären aber massive Schutzmaßnahmen nötig, die mit erheblichen Wohlstandsverlusten einhergingen. Die Kosten wären geringer, wenn der Temperaturanstieg auf zwei bis drei Grad begrenzt würde – wobei die schlimmsten Folgen des Klimawandels trotzdem verhindert werden könnten. Für Nordhaus ist diese Variante deshalb die ökonomisch effiziente.

Mit seinen Arbeiten hat Nordhaus es ermöglicht, dass konkrete Temperaturvorgaben im Kampf gegen den Klimawandel gemacht werden können. Er veröffentlichte seine Zahlen im Jahr 1992, inzwischen werden neuere, ehrgeizigere Klimamodelle verwendet. Aus ihnen geht hervor, dass schon bei einer Überschreitung der Marke von zwei Grad mit dramatischen Folgen und hohen wirtschaftlichen Kosten zu rechnen ist, eine Sichtweise, die der Weltklimarat diese Woche mit neuen Berechnungen untermauerte. Deshalb hat sich die Weltgemeinschaft darauf verständigt, den Temperaturanstieg bei "deutlich unter zwei Grad" zu bremsen.