Die Wohnungsmieten für Studierende steigen erschreckend schnell. Aber es muss nicht jeder im Szeneviertel einer Metropole leben.

Studentisches Wohnen wird unbezahlbar. Diesen Eindruck konnte gewinnen, wer die am Montag veröffentlichte Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) überflog. Vor allem in den Metropolen sei die Lage schlimm: "Für eine Musterwohnung müssen Studenten in München am meisten zahlen, dort beträgt die Warmmiete 634 Euro im Monat", heißt es in der Untersuchung. In Frankfurt sind es 499 Euro, in Hamburg 437 Euro.

Ja, Wohnen ist teuer. Aber nein, ganz so schlimm, wie diese Zahlen insinuieren, ist es nun auch wieder nicht. Denn die IW-Analyse klammert unter anderem die günstigeren Wohnheime aus. Von denen gibt es zwar grundsätzlich zu wenig, gleichwohl verzerrt es das Bild, wenn ein immer noch relevanter Anteil an günstigerem Wohnraum in der Darstellung fehlt. Denn das treibt die Durchschnittspreise hoch.

Mit Musterwohnungen zu arbeiten ist ein zulässiger Ansatz. Aber was ist das eigentlich? "Die hypothetische Musterwohnung besitzt bei einer normalen Ausstattungsqualität eine Wohnfläche von 30 Quadratmetern, liegt in 1,5 Kilometer Entfernung zur nächstgelegenen Universität und wurde 1995 erbaut", schreibt das IW. Kurz nachdenken: 1995 mag realistisch sein. 30 Quadratmeter sind angesichts typischer WG-Zimmer schon recht großzügig. Die 1,5 Kilometer zur Uni sind unverständlich. Warum gibt es eigentlich Semestertickets für Bus und Bahn, wenn der Normalstudierende es offenbar erwarten darf, höchstens 15 Gehminuten von seiner Uni entfernt untergebracht zu werden?

Vielerorts gehören Uni-Viertel zu den teuersten Wohnvierteln. Auch wegen des studentischen Lebens, der vielen Bars und Cafés. Aber ist das Leben nicht mehr lebenswert, wenn man eine Viertelstunde mit dem Rad, dem Bus oder der U-Bahn fährt? Viele berufstätige Pendler tun das jeden Tag.

Verglichen mit 2010 sind die Mieten für studentisches Wohnen in München (+51 Prozent) und in Berlin (+67 Prozent) stärker als in anderen Städten gestiegen. Die Metropolen locken eben auch viele Studierende an. Dabei ist das Studium woanders oft ebenso gut. Im CHE-Hochschulranking des ZEIT Studienführers erreichen einzelne Fächer an den Unis des Ruhrgebiets oder denen in Magdeburg und Leipzig oft die Spitzengruppe, etwa bei der Betreuung von Studienanfängern. Dem IW zufolge wohnt man dort für weniger als 300 Euro.

Wenn gute Lehre mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis einhergeht, gibt es schon zwei gute Argumente für ein Studium abseits von München und Berlin. Wer nach seinem Abschluss, idealerweise mit einem Job und höherem Einkommen, immer noch in das Szeneviertel der Metropolen ziehen will, der findet dann dort auch leichter eine Wohnung.