Dass der US-Präsident Donald Trump eine "Space Force" genannte Weltraum-Armee gründen will, habe ich über YouTube erfahren. Auf meinem Laptop habe ich einige Star Wars-Filme angeschaut. Und da ich als Wirtschaftsredakteur auch regelmäßig Finanzseiten im Internet besuche, zogen Algorithmen aus meinem Surfverhalten den einzig möglichen logischen Schluss – und brachten alles zusammen. Sie zeigten mir Werbung, die mir versprach, mit der militärischen Eroberung des Weltalls reich werden zu können.

Es war nur ein kleiner Schritt für mich, aber stellvertretend für die Menschheit, die zusätzlich privat fürs Alter vorsorgen muss, machte ich ihn. Und klickte.

Ich landete bei einem Angebot des Gevestor-Verlags, der zahlreiche Börseninformationen herausgibt. Der frühere Fernsehmoderator Hans Meiser wirbt oft für diese Börsenbriefe. In einem pries der Verlag eine geheime "Weltraum-Armee-Aktie" an: "Dieser Weltraum-Riese bringt jetzt Trumps Soldaten ins All! Großauftrag für diese Weltraum-Aktie beschert Ihnen jetzt bis zu +1471,30 % Gewinn!" Ich müsse nur eine E-Mail-Adresse angeben, schon würde ich den vollständigen "Spezial-Report" mit dem Namen des Unternehmens erhalten. Und da ich als Wirtschaftsredakteur an galaktischen Renditemöglichkeiten naturgemäß interessiert bin, tat ich es.

Sekunden später landete der Spezial-Report in meinem E-Mail-Postfach. Das Deckblatt erinnert an ein Perry Rhodan-Heftchen: Astronauten, von denen einer wie Donald Trump aussieht, marschieren über einen fernen Planeten im Science-Fiction-Design der Neunzigerjahre. Der Report selbst, so las ich, enthalte "fundierte Analysen auf Basis eines umfangreichen Finanzmarktresearchs". Das hat mich überzeugt, ich kündigte all meine Konten, verkaufte mein Haus und verpfändete meine Lebensversicherung, um sofort möglichst viel Geld ... nein, nur Spaß. Hab ich natürlich nicht gemacht. Ich wollte erst einmal mehr wissen und las weiter.

Wann genau der "Weltraum-Riese" Trumps Soldaten ins All bringen wird, verrät der Report zwar nicht. Dafür aber den Namen des Unternehmens: Lockheed Martin. Das ist ein amerikanischer Rüstungskonzern. Er bekommt viele Staatsaufträge, was angesichts der überschaubaren Zahl von privatwirtschaftlich betriebenen Armeen allerdings nicht sonderlich überrascht. Weil auf jeden Fall der aktuelle Rüstungsetat der USA 720 Milliarden Dollar beträgt, sei die Lockheed-Aktie, so weiß der Report, ein gutes Geschäft: "Die nächsten Milliarden kommen direkt bei Ihnen an." Umsatz und Vorsteuergewinn von Lockheed Martin seien gestiegen. Was interessant ist. Aber was hat der heutige Umsatz mit dem Zukunftsgeschäft der Weltraum-Armee zu tun? Ungefähr so viel wie eine Brotdose mit der ISS. Die Gevestor-Finanzexperten scheinen nicht die hellsten Sterne im All zu sein.

Sie schreiben auch: "Der Weltraum ist voll von den wertvollsten Rohstoffen unseres Universums!" Was genau so wahr ist wie der Satz, dass sich alles Kleingeld in meiner Hosentasche in meiner Hosentasche befindet. Ich wandte mich mit einigen Fragen schriftlich an den Verlag. Ob es nicht sein könne, dass sich außerhalb unseres Universums noch viel wertvollere Rohstoffe befänden, bei deren Ausbeutung Lockheed Martin im Vergleich zu seinen Wettbewerbern jedoch schlechtere Chancen hätte? Das hätte ich schon gern gewusst, bevor ich mein Geld anlege. Eine Antwort ging bis Redaktionsschluss nicht ein. Interessierten Lesern werde ich sie gerne nachreichen.