Durchschnittlich 42.903 Euro kostet ein Kunstwerk auf einer Auktion innerhalb der EU. Das geht aus dem Intelligence Report von Artnet hervor. Artnet betreibt seit 1989 eine in der Fachwelt anerkannte Datenbank mit Auktionspreisen, die von vielen Händlern und Sammlern genutzt wird, um den Wert von Kunst einzuschätzen.

Die Wertermittlung ist eine schwierige Aufgabe, schließlich tragen Kunstwerke keine Preisschilder wie Massenprodukte im Supermarkt. Der Markt ist notorisch undurchsichtig. Manchmal hilft der Vergleich mit ähnlichen Objekten weiter, die in jüngster Zeit schon einmal verkauft wurden. Auktionspreise können dabei zumindest eine grobe Orientierung geben, denn sie sind öffentlich, und bei bekannten Künstlern sind zudem über die Jahre viele Ergebnisse zusammengekommen. Seit die Finanzindustrie den Kunstmarkt entdeckt hat, steigt der Wunsch, die Wertentwicklungen in klar verständliche Zahlen, Statistiken und Grafiken zu fassen. Heraus kommen hübsch aufbereitete Broschüren.

Durchschnittswerte wie die 42.903 Euro für Auktionen innerhalb der EU führen trotzdem in die Irre, wie schon ein Blick in einen beliebigen Katalog eines deutschen Auktionshauses beweist. Schätzpreise und Ergebnisse von weit über 90 Prozent der einzelnen Positionen liegen selbst bei größeren Unternehmen deutlich unterhalb dieser Summe.

Die Rechenmethode erklärt die Unstimmigkeiten. Artnet wertet die Daten von weltweit 427 Auktionshäusern aus. Das ist eine recht kleine Anzahl, der konkurrierende Anbieter Artprice beispielsweise erfasst nach eigenen Angaben 6300 Häuser. Der Anteil europäischer Auktionen ist bei Artnet entsprechend niedriger, zudem fließen in die Auswertung nur Schätzpreise jenseits von 500 Euro ein. Außerdem gehört Großbritannien noch der EU an, und in London wird sehr hochpreisige Kunst gehandelt. An einem Abend erzielen ein paar Dutzend Werke bei einer Auktion schon mal umgerechnet 200 Millionen Euro. Würde man statt des Durchschnitts den Median ermitteln, ergäbe sich ein realistischerer Wert für Kunstwerke in der EU. Die Extreme aus London fielen so kaum ins Gewicht. Was aber die Statistik nicht vermag, wird künftig wohl der Brexit übernehmen.