Wer also ist da eigentlich gerade auf einem Feldzug gegen wen?

Am Montag dieser Woche durchsuchten Ermittler die Geschäftsräume des Autoherstellers Opel in Rüsselsheim und Kaiserslautern. Opel soll, so vermutet die Staatsanwaltschaft, bis zu 100.000 Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgassoftware verkauft haben. Die Strafanzeige hatte das Kraftfahrt-Bundesamt gestellt. Dessen Prüfer sollen, so der Vorwurf, von Opel mit immer neuen technischen Argumenten hingehalten worden sein.

Am Dienstag wurde bekannt, dass die VW-Tochter Audi wegen des Dieselskandals 800 Millionen Euro Bußgeld zahlen wird. Der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler aber bleibt in Untersuchungshaft. Gegen ihn und weitere Beschuldigte wird immer noch ermittelt.

Lange hat die Bundesregierung ihre schützende Hand über die deutschen Hersteller gehalten. Das Job-Argument der Autobosse war ja auch nicht leicht zu widerlegen: Rund 800.000 Menschen sind in der Autoindustrie beschäftigt; insgesamt sollen rund 1,8 Millionen Jobs an den Gewinnen der Autofirmen hängen. Inzwischen aber ist es so, dass die Borniertheit der Bosse eine viel größere Gefahr für die Arbeitsplätze in der Autoindustrie darstellt, als es irgendein neuer Abgasgrenzwert je sein könnte.

Und wer kümmert sich um die Autokäufer? In den USA hat VW schon Milliarden an Strafen zahlen müssen. Dort gab es auch Entschädigungen für die Autobesitzer. Von den 800 Millionen Euro, die Audi nun für seine Verfehlungen im Abgasskandal zahlen muss, wird dagegen nichts bei den geschädigten Kunden ankommen. Das Geld fließt dem Staatshaushalt zu.

Je mehr die Regierung den Autobossen zuletzt entgegenkam, umso mehr wurde sie vorgeführt. Noch immer ist offen, wer eigentlich die teuren Nachrüstungen alter Dieselfahrzeuge bezahlen soll, die die Koalition Anfang des Monats beschlossen hat. Die Industrie will es nicht. Und die Regierung sieht keine Möglichkeit, sie zu zwingen. Noch nicht, jedenfalls.

"Aus heutiger Sicht stehen die Chancen vielleicht bei 50:50, dass die deutsche Autoindustrie in zehn Jahren noch zur Weltspitze gehört", sagte VW-Chef Diess am Dienstag. Und tatsächlich ist der Druck auf die Unternehmen enorm. Am Ende aber muss auch Diess begreifen, dass Wähler mehr sind als nur Autofahrer. Und die Politik legitimierter ist als Konzerne. Bei aller deutschen Liebe zum Fahren: Dies ist immer noch eine Demokratie, keine Autokratie.

Mitarbeit: Natalie Urbig