Es gibt einen bösen Mann, der sitzt in Berlin und ist schuld. Nicht an allem, aber an fast allem. Unter anderem ist er schuld am schlechten Wahlergebnis der CSU. Außerdem am Zerbrechen der großen Koalition. Und somit auch am politischen Ende Angela Merkels. Dieser Mann hat so viel Schuld auf sich geladen, dass wir zur Strafe sofort damit beginnen wollen, ihn zu vergessen. Sein Name ist uns schon entfallen. Wie hieß er noch? Beim besten Willen, wir kommen nicht mehr drauf. Nur so viel glauben wir noch zu wissen: Es war ein Name, in dem ein Gewässer eine Rolle spielte. Aber denken wir nicht weiter nach, sonst fällt uns der Name am Ende wieder ein, und das sollten wir uns ersparen.

Als kürzlich der bayerische Ministerpräsident Söder anklingen ließ, dass es ein paar Menschen gebe, die er gern auf den Mond schießen würde, da wussten alle, dass in der Einweg-Rakete des Ministerpräsidenten der namenlose Held unserer Kolumne einen Ehrenplatz hätte.

Jetzt fällt es uns erst auf: Jeder prominente CDU-Mann, der dieser Tage einen öffentlichen Auftritt hat, nutzt die Gelegenheit dazu, den Mann ohne Namen auf den Mond zu schießen. Aus dem semantischen Material aller maßgeblichen Interviews sieht man plötzlich eine mit einem weißhaarigen, gebeugten Astronauten bemannte Rakete davonfliegen.

Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier gab jüngst ein Interview, das, bei Licht betrachtet, nichts anderes war als eine Abschussrampe für den einsamen Mondflieger. In der Welt hat Bouffier das schlechte Abschneiden seiner Partei, der CDU, bei der noch gar nicht vollzogenen, sondern erst am 28. Oktober stattfindenden Landtagswahl a) packend vorgeschmeckt und b) auf eine Weise analysiert, aus der hervorging, dass an allem Unglück nicht er, sondern der Unberührbare in Söders Rakete schuld sei. Auch Bouffier nannte den Namen des Betreffenden nicht, er sprach gleichsam an ihm vorbei.

All das, was der berühmte Namenlose selbst immer getan hat – sich mit dem Volk an seinen Bündnispartnern vorbei zu verbrüdern, sich voller Gerissenheit, zum Publikum hin sprechend, von angeschlagenen politischen Gefährten zu distanzieren –, geschieht ihm nun selbst: Alte Freunde stellen ihn kalt, ohne ihn zu erwähnen. Die Amerikaner haben einen hübschen Begriff für Politiker, die noch da sind, aber keine Autorität mehr besitzen, weil alle ihren Abgang erwarten: lame duck, lahme Ente. Im Deutschen bietet sich für diese politische Figur ein neuer Begriff an. Man könnte sie Mondhofer nennen. FINIS