© Jacoby & Stuart

Roboter mischen unseren Alltag seit je auf, die künstliche Intelligenz (KI) ist überall – und beileibe kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. So die steile, nicht unironische These des Autors Jean-Noël Lafargue und der Zeichnerin Marion Montaigne in ihrem Buch Künstliche Intelligenz aus der Reihe der Comic-Bibliothek des Wissens. Die Anfänge der KI entdecken sie bei Ramon Llull, dem Philosophen aus Mallorca, der um 1300 seine Ars Magna ersann: einen Apparat aus konzentrischen, bewegbaren Kreisen, mit dem er Antworten auf philosophische Fragen finden wollte. Je besser seither die Maschinen geworden sind, zeigt der Comic, desto beängstigender erscheinen sie den Menschen.

Unsere Gegenwart beherrscht bekanntlich das Gefühl, die künstliche Intelligenz könne die Menschheit beerben. Auf dieser Grundlage skizziert das Buch eine überspitzte Zukunft. GPS wird nicht mehr Globales Positionsbestimmungssystem, sondern General Problem Solver heißen und eine Maschine sein, die jeder besitzt. Wissen vermittelt sie natürlich auch. Aber bestimmt nicht so schön, wie Jean-Noël Lafargue und Marion Montaigne mit ihrem kleinen, klugen Buch über die Jahrhunderte währende Digitalisierung.

Jean-Noël Lafargue/Marion Montaigne: Künstliche Intelligenz, Verlagshaus Jacoby & Stuart 2018; 76 S., 12,– €

Philipp Schulte

© Carlsen

Senioren und das Internet können eine heikle Kombination sein. Den Doppelklick beherrscht Oma zwar eigentlich schon ganz gut. Doch dann legt sie – klick, klick – mal eben das Netz lahm. Weltweit. Aus Versehen. Die drei Enkel sind entsetzt: keine Handyspiele, kein Gechatte, keine Musik. Opa kann nicht mehr fernsehen, und dann kommen auch noch Mama und Papa früher nach Hause, weil ohne Internet in deren Jobs nichts läuft. Da hocken sie nun beisammen, die vier Erwachsenen und drei Kinder, und wissen erst einmal nichts mit sich und einander anzufangen.

Marc-Uwe Kling, Autor der Känguru-Chroniken, zeigt, wie man auch in einem kleinen Kinderbuch brillieren kann. Mit viel (Sprach-)Witz erzählt er, welche Nähe zwischen den Menschen entsteht, wenn sie nicht ständig von piependen und blinkenden Geräten abgelenkt werden. Diese Moral mag so platt wirken wie die Idee, dass man weltweit das Internet ausschalten könnte. Und doch hallt etwas nach, wenn man das Buch zuschlägt. Was wäre, wenn man einfach mal abschaltet? Auf der letzten Seite sehen wir eine verschmitzt grinsende Oma, den Zeigefinger bereit zum ... klick, klick.

Marc-Uwe Kling/Astrid Henn: Der Tag, an dem Oma das Internet kaputt gemacht hat, Carlsen Verlag 2018; 72 S., 12,– €

Katrin Hörnlein