Emmanuel Macron will niemanden an seiner Seite, der seine Reformen torpediert. Das ist das Ergebnis der lang erwarteten Regierungsumbildung in Paris. Sie war seit dem Sommer das beherrschende Thema für den französischen Präsidenten. Seine beiden öffentlich profiliertesten Minister, der ehemalige Sozialist und Bürgermeister von Lyon, Gérard Collomb, und der populäre Ex-Umweltaktivist Nicolas Hulot, hatten nacheinander und ohne Absprache mit dem Präsidenten ihre Ämter hingeworfen. Collomb war Innenminister und protokollarisch die Nummer zwei der Regierung, Hulot Umweltminister und die Nummer drei. Sie waren die einzigen politischen Schwergewichte in der Regierung. Ganz Frankreich spekulierte fortan, dass es um Macron einsam würde.

Jedenfalls will der Mann seine Agenda nicht verwässern. Nach einer Lockerung des Kündigungsschutzes und Steuerentlastungen für Firmen in seinem ersten Amtsjahr hatten viele Beobachter einen Linksruck des Präsidenten erwartet. Schließlich hatten ihn im Mai 2017 mehr linke als konservative Wähler ins Amt gehoben. Doch die müssen warten.

Statt die Regierungsumbildung für einen Kursschwenk zu nutzen, demonstrierte Macron sture Kontinuität. Neuer Innenminister wurde einer der engsten politischen Wegbegleiter des Präsidenten, Christophe Castaner aus der Provence. Die anderen Posten gingen an Namenlose. Was hatten enge Berater, alte Freunde und Medien in den vergangenen Wochen nicht alles spekuliert, wer in Macrons Team Einzug halten würde. Von einer Mannschaft für "Macron II" war die Rede. Als müsste sich der Präsident nach einem für ihn schwierigen Sommer neu erfinden. Erst hatte er einen jungen Sicherheitsbeamten im Élysée-Palast gedeckt, obwohl dieser bei einer Demo am 1. Mai harmlose Demonstranten verprügelt hatte. Dann hatte er einem arbeitslosen Gärtner bei einer öffentlichen Palast-Party geraten, sich Arbeit in einem Pariser Restaurant zu besorgen. Die Seinen beschützte er, anderen mutete er alle Härten des Lebens zu. Das kam im Volk schlecht an. Macrons Umfragewerte fielen unter die seines unpopulären Vorgängers François Hollande, verglich man die Umfragen zu gleichen Zeitpunkten in der jeweiligen Amtsperiode.

Also schien der Handlungsbedarf groß. Doch Macron sah es anders. "Der Hartnäckige", titelt jetzt das ihm sehr zugeneigte Pariser Magazin Le Point und versucht zu erklären, "warum Macron nicht nachgeben will".

Schon als junger Fußballer, so Macron, sei er eher hart als technisch begabt gewesen. Also plane er nun eine umfassende Rentenreform. Und damit erst gar keine falschen Hoffnungen auftauchen, ließ er von kompetenter Seite verkünden: "Wer glaubt, eine Rentenreform könnte heute dazu führen, dass die Renten steigen, ist naiv." Auch am Stellenabbau im öffentlichen Dienst will der Präsident, wie in seiner Wahlkampagne versprochen, festhalten. Dagegen protestierten vergangene Woche bereits die Pariser Lehrer. Doch alle üblichen Streiks und Straßenproteste halfen gegen Macrons Pläne bisher nicht. Ein neues Unternehmensgesetz, das Arbeitnehmerrechte in Kleinbetrieben abbaut, tritt nach reibungsloser Abstimmung im Parlament in Kürze in Kraft.

Macron bleibt sich also selbst treu. Schon sein Wahlkampf war weitgehend eine One-Man-Show, und seine Partei, der er gerade mit Castaner den Chef-Stellvertreter stahl, bleibt ein Ein-Mann-Betrieb. Also sind die vielen unbekannten Gesichter seiner Kabinettsrunde reine Erfüllungsgehilfen mit professioneller, nicht politischer Kompetenz.

Kann das gut gehen? Macron sei kein guter Personalmanager, kritisierte der angesehene Pariser Meinungsforscher Jérôme Fourquet. Doch vielleicht ist es ja auch nur das Ende der politischen Cliquenwirtschaft in Paris.