Der Gast erwacht in grauer, in rotgrauer Vorzeit. So sieht es jedenfalls vor dem Fenster aus: Vulkankegel von gespenstischer Perfektion ragen aus einer Wüste geborstener Lava, darüber treiben Wolken, denen das Morgenlicht violette Bäuche malt. Trotten gleich noch Dinosaurier durchs Bild? Passend wäre es.

Dass die Buenavista Country Suites auf der kanarischen Insel Lanzarote solche Panoramen bieten, vermutet man bei der Anfahrt nicht gleich. Schmucklos und kalkweiß kauern die Kuben des Bed & Breakfast allein in einer Senke. Sie entsprechen damit dem architektonischen Reinheitsgebot der Insel: Jedes Dorf und jedes Häuserensemble sieht hier von Weitem aus wie ein Haufen Würfelzucker in einem Sandkasten. Die zerwühlte Landschaft hat die Farbe von geronnenem Blut und entstand, als die Erde ab 1730 sechs Jahre lang Feuer spuckte. Heute ragen 100 Vulkane aus dem Boden, ein Viertel der Inselfläche ist mit erstarrter, scharfkantiger Lava bedeckt.

Das morgendliche Wo-bin-ich-Gefühl auf dem Zimmer hält eine Weile an. Grund dafür sind die rahmenlosen Riesenfenster. Wie Dioramen in einem Naturkundemuseum inszenieren sie Lanzarotes Kargheit, holen das Draußen ins Drinnen und erheben es zum alles beherrschenden Eindruck. Das Interieur unterwirft sich dem mit ausgesuchter Schlichtheit. Die Böden sind aus Beton, die Dekoration ist knapp gehalten: hier ein Ziegenbockschädel auf einer Sisalmatte, dort eine abstrakte Kohlezeichnung an der Wand.

Die einstige Funktion der Häuser kann man dennoch erkennen: Sie gehörten einmal zu einem Weingut. In einem der fünf Bungalows steht noch eine alte Traubenpresse, deren gewaltiger Holzbalken durch einen Teil des Raums ragt, die Mauer zum Bad durchbricht und dort neben der Dusche endet. Die Wände sind wie früher zum Teil mit kittgrauer Schutzfarbe gestrichen. Die passt in ihrer Zurückhaltung gut zum Beton am Boden und zu den Polstern in Braun, Lindgrün und Taubenblau.

So richtig üppig wird es erst, wenn Gonzalo Bethencourt mit dem Frühstück kommt – unter lauter Inselspezialitäten, vom Ziegenkäse bis zu hausgemachtem Kuchen, erkennt man kaum noch den Tisch. Mit seiner Familie und drei Labradoren wohnt der Besitzer selbst auf dem Anwesen. Sieben Jahre stand das alte Weingut leer, bevor er es erwarb und mit dem Architekten Néstor Pérez Batista aufmöbelte, der lange dem Multitalent Ólafur Elíasson in Berlin zugearbeitet hatte. "Lanzarote ist keine Insel, die es jedem recht macht", sagt Gonzalo. "Sie ist ein bisschen ruppig, und das soll man auch spüren."