Zum einen ist die Anreise bequem wie nur was: mit dem Flugzeug in anderthalb Stunden von Oslo an den Polarkreis nach Bodø, in Bodø mit dem bollernden Rollkoffer zu Fuß in einer Viertelstunde vom Flughafen zum Anleger und von dort mit dem Expressboot in anderthalb Stunden nach Nordskot.

Astrid begrüßt mich nachnamenlos am Kai der 62-Seelen-Siedlung; sie ist Mitte zwanzig, schön, nordisch, herb und würde in ihrer erdigen Kluft jedes Wildnismagazin schmücken. Noch eben den Koffer auf ihr Motorboot, die Schwimmweste an und nun nach Manshausen rüber. Da sind die futuristischen Kabinen schon zu sehen.

Ein fellgedämpfter Schalensessel für lange Blicke nach draußen oder drinnen © Christian Lycke für DIE ZEIT

Zum anderen ist die Anreise ein Sturz aus aller rechtwinkligen Straßen- und Gebäudewelt. Die See durchpflügen zwischen buckligen Inselchen, die wie Wale aus dem Wasser ragen, im Westen die Zacken der Lofoten vor der schläfrigen Abendsonne – ein Scherenschnitt in Schwarz und Orange. Als ich am Anleger auf den Steg trete, scheint das Eiland mit dem seltsam unnorwegischen Namen zu schwanken; so schnell schwindet die Gewissheit, dass der Boden, auf dem wir stehen, fest sei.

Auf knatsch-knatschendem Schotter folge ich Astrid in die Höhe, über bloßen Fels, gezimmerte Stufen – hinein in meine Bleibe. Schon der erste Moment ist erhebend. Die Kabine schwebt als Raumkapsel in der Landschaft, bereit zum Abflug Richtung Innerlichkeit.

Ich lasse mich auf einen fellgedämpften Schalensessel fallen und schaue ins tausendfach graue Licht, weißgrau, hellgrau, mittelgrau, schwarzgrau, blaugrau. Nicht ich bewege mich: Die Welt fliegt an mir vorbei. Das Wasser grünlich, transparent, türkis, der Stein, der sich schwarz, blauschwarz, schwarzschwarz in den Himmel wölbt.

Die Kabine ist kleiner als gedacht, hinten Holz, vorn Glas, dazwischen das Bad, die Kombüse und das große Bett; man fliegt auch im Schlaf, vom Nordlicht beschienen, den Sternen entgegen.

Die erste Idee ist, sich nicht mehr zu rühren, nur noch zu schauen, was die Natur an Form und Farbe hat, oder sich in ein Buch zu vertiefen, ohne alles Vibrieren. Oh, da macht es bing – abschalten muss man seine Geräte schon.

Die Felsbeckensauna © Christian Lycke für DIE ZEIT

Noch schöner als die Einsamkeit wäre jetzt eine Zweisamkeit, neben sehen und lesen auch liegen und lieben.

Astrid erwartet mich im Haupthaus. Ich schaue zu Jesper auf, ihrem Freund; er misst zwei Meter zehn. Hosen haben sie beide an. Sie sind die Chefs, wenn der Eigner nicht da ist, wie meist. Sie erzählen von ihm, von Børge, dem Abenteurer, wann er wie lange in welchem Ozean wie viele Hundert Meter tief getaucht ist, wie allein er an welchem Pol als Erster wohin gelaufen ist und dass er gerade zwanzig Gletscher überquert, auf den Spuren der Erwärmung.