Wie fördert man die klassische Musik? Das ZDF hat dafür jetzt ein Rezept: Man nehme einen altgedienten TV-Moderator, der des Sommers gerne auch in Bayreuth oder Salzburg gesichtet wird, gebe ihm ein paar Stars an die Hand, mische diese mit coolen Nachwuchsmusikern, die keiner kennt, stelle, na prima, eine Frau ans Dirigentenpult und lobe einen Tonträger-Preis aus, dessen Trophäe halb an die Himalayasalzmühlen bei Manufactum erinnert, halb an die Jahresendflügelfiguren aus dem Erzgebirge. Das Ganze nenne man Opus Klassik, versichere, dass es mit dem Vorgängerbranchenpreis, dem Echo Klassik, der wegen ein paar hässlicher Rapper so hässlich mit in Verruf geraten war (ZEIT Nr. 18/2018), nichts gemein habe – und tauche die Bühne des Berliner Konzerthauses in ein Ambiente, so quietschig-kitschig, als sei in der DDR doch nicht alles schlecht gewesen. Ach ja, die Laudatoren konnten übrigens echt gut auswendig lernen und/oder vom Teleprompter ablesen. Letzteres hat man gar nicht gemerkt.

Das ZDF ist natürlich nur die mediale Plattform für den Opus, erfunden wurde er vom Verein zur Förderung der klassischen Musik. Dieser möchte Mozart, Beethoven und Co. "emotional und wirkungsvoll in der Lebenswirklichkeit der Menschen" verankern. Das ist gewiss löblich. Zu den Mitgliedern, aus deren Reihen sich auch die Jury speist, zählen neben einem Verlag und einem Veranstalter die üblichen Branchen-Riesen (DG, Sony, Warner). Die Behauptung, nicht der Kommerz bestimme den neuen Preis, sondern die nackte, quasi demokratisch ermittelte künstlerische Qualität, ist also, wenn nicht dreist, so doch sehr kühn.

Das Emotionale jedenfalls kam bei der ersten Preisverleihung nicht zu kurz. Benny Andersson (der von Abba) war so nervös, dass er sein Klavierstück nur zur Hälfte spielen konnte, mit Sheku Kanneh-Mason wurde ein junger britischer Cellist geehrt, der immerhin schon bei Harrys und Meghans Hochzeit aufgetreten war, und die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann bedankte sich in lupenreinem Luzerndütsch bei ihrer Familie, welche sie "megamegafeschtgärrn" habe. Die Sängerinnenlegende Christa Ludwig wiederum, 90, hätte das Event mit ihrer Laudatorin und Konkurrenzlegende Brigitte Fassbaender, 79, locker alleine rocken können. Dem freilich stand Thomas Gottschalk im Weg, der Moderator, der gleich eingangs auf Schoten wie die nicht verzichten konnte oder wollte, dass es keine Orchestergräben gäbe, wenn Frauen immer schon dirigiert hätten.

Wie fördert man die klassische Musik? So nicht. So möchte man sie ganz einfach nur einpacken, wegtragen und vor einem Markt in Schutz nehmen, der nichts als Abziehbilder produziert. Und nahezu alles verrät, was mit der Utopie der Klänge jemals gemeint gewesen sein könnte.