Diskussionen über Sexismus sind mühselig, langwierig und rennen gegen Argumente an, die seit Generationen eingeübt sind. Frauen gelten dann als stutenbissig und als Zicken. Ebenso oft ist zu hören, dass mittlerweile Männer diskriminiert würden und nur noch Frauen befördert würden oder dass die Lohnschere ein Mythos sei. Alles Bullshit, sagt Sorority, eine Karriereplattform zur Vernetzung von Frauen in Österreich.

Nur wie lässt sich den Mythen entgegentreten, ohne dass eine Familienfeier gleich in die Luft gesprengt, eine politische Diskussion im Gasthaus zum schweren Zerwürfnis oder das Verhältnis zu Mitarbeitern empfindlich gestört wird? Außerhalb der eigenen Blase zu argumentieren ist oft ein ungewohntes Terrain mit vielen Stolperfallen.

Das Buch No More Bullshit, herausgegeben von Sorority, will helfen und versammelt Autoren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst. Gleich auf den ersten Seiten wird beschrieben, wie und wann es Sinn macht, zu kontern, wie sich auf rhetorische Ablenkungen reagieren lässt oder auf persönliche Angriffe. Es geht bei den vorgestellten Strategien nicht darum, das Gegenüber als Deppen dastehen zu lassen, im Gegenteil. Es geht um Nachfragen, darum, Übereinstimmung in Details zu finden und Nichtfakten zu entlarven.

Für Letzteres bietet der zweite, der größte Teil des Buches ordentlich Munition. In mehreren Beiträgen gehen die Autoren alltäglichen Sprüchen auf den Grund, wie etwa: Unter einer Frauenquote leide die Qualität. Und: Leider wurde keine Frau für das Podium gefunden. Oder: Feminismus sei zu extrem. Die Antworten darauf sind fundiert, gut belegt und werden am Ende der Texte noch einmal komprimiert zusammengefasst.

Eine Unternehmerin argumentiert, warum es noch immer ein Mythos sei, dass Frauen beruflich alle Türen offenstünden. Sie erzählt von Headhuntern, die hauptsächlich männliche Kandidaten lieferten, während die Leiterin einer Digitalagentur von eigenen Erfahrungen berichtet: "Wenn der Kunde unser Team darum bittet, dass nicht die erfahrene Consulting-Chefin, sondern der männliche Praktikant die Strategiepräsentation vor dem Vorstand hält", dann würden die alten Rollenklischees greifbar.

Sexismus ist noch immer überall. Am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Straßenbahn und online. Manchmal ist er offen und brutal, gerade in den sozialen Netzwerken. Oft passiert er aber fast nebenbei, ein kurzer, deftiger Spruch an der Kasse im Supermarkt, ein Nebensatz, ein Wort reichen. Viele drehen sich dann verschämt weg, versuchen Alltagssexismus zu ignorieren. No More Bullshit ist eine Handreichung für alle, die sich mehr sozialen Mut antrainieren sowie gegen Sexismus auftreten und Einspruch erheben wollen.

Sorority (Hrsg.): No More Bullshit. Kremayr & Scheriau, Wien 2018; 176 S., 19,90 €