Waren Sie schon mal auf einer Tupperparty? Meine Partys laufen ähnlich ab. Aber ich verkaufe keine Schüsseln, sondern Sexspielzeug. Anfangs war ich noch gehemmt. Ich konnte vor Fremden einfach nicht "Penis" sagen. Vor Freundinnen war das nie ein Problem gewesen, aber vor Publikum fiel es mir schwer. Inzwischen habe ich meine Scham abgelegt. Ich verstehe mich nicht mehr nur als Verkäuferin. Ich kläre auf.

Meine Partys sind Frauensache: Eine Gastgeberin lädt Freundinnen ein, und ich komme mit meinem pinken Koffer dazu. Die Teilnehmerinnen sind 18 bis 75, Töchter, Mütter, Großmütter, manchmal alle Generationen zusammen. Sexspielzeug im Wohnzimmer einer Freundin zu kaufen fühlt sich weniger verboten an als im Sexshop. Viele hatten noch nie einen Vibrator in der Hand. Um Hemmungen abzubauen, spiele ich gerne ein Spiel, zum Beispiel Sprechverbot, eine Art Tabu mit intimen Begriffen. Der eine oder andere Schluck Sekt hilft natürlich auch.

Zuerst präsentiere ich Massageöle und Gleitgele. Damit kann jeder etwas anfangen. Erst dann gebe ich die Toys herum. Einen Vibrator hält man sich zum Probieren am besten an die Nasenspitze. Darin bündeln sich viele Nervenenden, sie ist fast so empfindsam wie die Klitoris. Meine Kundinnen bevorzugen beim Sexspielzeug abstrakte Formen wie "Meister Lampe", einen Vibrator in Hasenform. Klein, soft, bunt, so sehen Einsteiger-Toys aus. Naturgetreue Dildos schrecken eher ab. Für das lauteste Gelächter sorgt unser Masturbator für Männer, ein Überzieher mit Noppen auf der Innenseite. Der hilft beim Handjob gegen einen Tennisarm. Einfach die Hände drehen, als würde man eine Zitrone pressen. Den nimmt fast jede mit. Für die Bestellung gehe ich mit den Teilnehmerinnen einzeln in einen anderen Raum. Wenn wir nur noch zu zweit sind, berichten viele Frauen, dass sie noch nie einen Orgasmus hatten. Ich erkläre ihnen dann, dass sie damit nicht allein sind. Im Gegenteil.

Mein erster Eindruck hat mich in diesem Job schon oft getäuscht. Wer mit Erfahrung prahlt, kauft am Ende oft nur Massageöl, und Frauen, die ich fast übersehen hätte, greifen richtig zu. Die Produkte schicken wir zur Gastgeberin oder den Leuten direkt nach Hause. Die Pakete sind diskret, ohne Firmenlogo. So weit, dass wir unserem Nachbarn von unserem neuen Vibrator erzählen, ist unsere Gesellschaft leider noch nicht.

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