I. Namenlos

Das Kind muss einen Namen haben, das Kunstwerk einen Schöpfer. Doch durch viele Jahrhunderte war denen, die ein Gemälde erwarben, das Thema meist wichtiger als der Künstler. Das verraten etwa Inventare aus den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. Lediglich bei einem Zehntel wurde verzeichnet, wer es gemalt hatte. Heute ist das anders. Nur bei zehn Prozent aller in den Museen hängenden Bilder ist der Künstlername unbekannt.

II. Unsigniert

Gemälde zu signieren war bis zur Renaissance unüblich. "Es galt damals der ideale Grundsatz, zur Ehre Gottes und seiner Heiligen zu wirken und damit nicht zu prahlen. Den alten Malern genügte der Beifall der Mitwelt, welche die Kunst und den Meister ehrte", schrieb der Kunsthistoriker Georg Kaspar Nagler im 19. Jahrhundert. Deshalb sind viele Bilder aus früherer Zeit namenlos überliefert. Doch damit wollen sich heutige Wissenschaftler, aber auch Kunsthändler und Auktionshäuser nicht mehr zufrieden geben. Denn fehlt der Name, fehlt es an der Bereitschaft, viel zu zahlen.

III. Zugeschrieben

Der Rettungsanker heißt "Zuschreibung". Experten sammeln Argumente, die für einen bestimmten Maler sprechen, studieren Akten, Protokolle, Bilder, Bücher – wie die Künstlerbiografien von Vasari, Bellori, Sandrart, Houbraken, van Mander und anderen. Und vor allem vergleichen sie Gemälde mit anderen Gemälden, Stichen oder Zeichnungen, um sie dann einem Maler zuzuschreiben. Das war so beim Salvator mundi und Leonardo, bei der Frau am Virginal und Vermeer sowie beim Hellebardier und Pontormo. Erst der berühmte Name brachte bei den Auktionen die Rekordgebote. Früher, als diese Bilder anonym oder als von Unbekannten angeboten wurden, erzielten sie nur bescheidene Zuschläge.

IV. Gesehen?

In den Auktionskatalogen wird gewöhnlich auf den oder die Experten verwiesen, von denen die Zuschreibung stammt. Und meist wird hinzugefügt, ob der Fachmann das Bild im Original gesehen hat oder ob ihm ein Foto genügte. Ob er sein Urteil bloß mündlich mitteilte, es auf der Rückseite eines Fotos notierte oder sogar eine ausführliche Begründung niederschrieb. Danach richtet sich der Wert der Expertise – und natürlich auch der Preis für die Expertise.

V. Gescheitert

Eine Zuschreibung ist keine "zugesicherte Eigenschaft", die einzuklagen wäre, sollte sie sich als falsch herausstellen. Das wird stets in den Versteigerungsbedingungen festgeschrieben. Und das ist auch gerichtsnotorisch, wie der Fall Beltracchi gezeigt hat. Der Versuch, den Experten Werner Spies für seine fälschlichen Zuschreibungen an Max Ernst haftbar zu machen, scheiterte.