Nahezu unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit fällt in diesen Wochen eine wirtschaftspolitische Entscheidung, die das Land auf Jahrzehnte hin schwächen könnte. Es geht um die Versteigerung der neuen Mobilfunkfrequenzen (5G). Man braucht dieses superschnelle Datennetz für alles, was in Zukunft digital möglich sein soll: autonom fahrende Autos, die sich untereinander über die Verkehrslage informieren oder von der nächsten roten Ampel angefunkt werden. Fabriken, in denen sich miteinander vernetzte Maschinen ohne Zeitverzögerung selbst steuern. Riesige Datenmengen könnten in weniger als einer Millisekunde übertragen werden. Ärzte könnten per Roboter aus der Ferne operieren und Logistikfirmen jede Lieferung in Echtzeit verfolgen. Mit 5G könnten neue Industrien und Dienstleistungen entstehen, die heute noch gar nicht vorstellbar sind.

Es ist das größte Infrastrukturprojekt der Gegenwart. Doch die Bundesregierung setzt es gerade in den Sand.

Denn geplant ist, die neuen Frequenzen auf zwanzig Jahre an jene Anbieter zu vergeben, die bereits heute den deutschen Mobilfunkmarkt dominieren – allen voran die Deutsche Telekom. Und die hat ihre Bedingungen bereits benannt: Sie könne bestenfalls 90 Prozent des Landes versorgen. In bevölkerungsschwachen Regionen rechne sich der Ausbau eines Hochleistungsnetzes nicht.

Bekommt die Telekom den Zuschlag, wird die digitale Spaltung Deutschlands zwischen Stadt und Land nicht überwunden, sondern zementiert. Vor allem in dünn besiedelten Gegenden gäbe es kein superschnelles Datennetz. Und wer dort lebt, wo 5G verfügbar wäre, müsste dafür viel zu viel bezahlen.

Schon beim heutigen Mobilfunkstandard LTE hängt Deutschland im internationalen Vergleich weit hinterher. Das Netz ist schlecht ausgebaut, die Funkverbindungen sind langsam. Wer in den Niederlanden lebt, surft mobil fast doppelt so schnell wie ein Smartphone-Nutzer in Deutschland.

Bislang ist das zwar ärgerlich, aber irgendwie auch nicht so schlimm. Es dauert halt ein bisschen länger, wenn man mobil ins Internet will. Und dass man auf manchen Bahnstrecken von einem Funkloch ins nächste Funkloch rollt, kann ja sogar ganz schön sein – weil man endlich mal seine Ruhe hat, wenn das Telefon stumm bleibt.

Bei 5G aber geht es um die digitale Zukunft des Landes. Ohne den flächendeckenden Ausbau wird es keine selbstfahrenden Autos geben (jedenfalls kann man mit ihnen dann nicht überallhin fahren); keine vernetzte Industrieproduktion; keine Telemedizin. Deutschlands Exportunternehmen – von denen sehr viele in ländlichen Regionen ohne schnelles Internet sitzen – verlören den Anschluss an die Weltspitze. Und neue digitale Technologien würden dann sehr wahrscheinlich nicht von deutschen Firmen entwickelt, sondern müssten in einigen Jahren teuer eingekauft werden – in China, Israel oder den USA.