Alles ist zurückgelassen, als ob es morgen weitergehen würde: das aufgeklappte Reservierungsbuch auf dem Tresen, die umgedrehten Gläser in der Spüle, die roten Servietten mit Messer und Gabel vor jedem Sitzplatz. Nur geht hier im Mangal erst einmal gar nichts weiter. Jeder Stuhl, jeder Tisch, jeder Salzstreuer in dem türkischen Restaurant in Chemnitz ist von einer dicken schwarzen Schicht überzogen. Asche.

In der Nacht zum Donnerstag, 18. Oktober, sind Unbekannte in das Mangal eingebrochen, haben Brandbeschleuniger verschüttet, Feuer gelegt. Es ist der vierte Angriff auf ein Restaurant in Chemnitz in nicht einmal zwei Monaten (die ZEIT berichtete mehrfach). Alle Welt schaut in die Stadt und fragt sich: Was passiert hier eigentlich? Bestimmen rechtsextreme Gewalttäter den Alltag von Chemnitz?

Ali Tulasoglu, 46, steht im Eingangsbereich des Mangal und kann an solche Fragen nicht denken. Er schiebt mit dem Fuß Scherben zur Seite. Diese verrußten Räume waren einmal die Grundlage seiner Existenz. "Wir haben alles hier neu gemacht", sagt er immer wieder. "Wir haben sieben Monate gearbeitet und im Juni 2017 eröffnet."

Als eine Nachbarin in der Nacht das Feuer bemerkte, habe sie ihn direkt angerufen, erzählt er. Kurz darauf habe er schon vor seinem Laden gestanden; da hatte die Feuerwehr den Brand bereits gelöscht. Aber nichts war mehr wie zuvor. "Ich hatte so gehofft, dass es ein Kurzschluss war", sagt er. "Das wäre eben ein Unfall gewesen. Aber es waren Menschen, die das getan haben – und da wird es gefährlich."

Wer sind die Brandstifter? Und waren es dieselben Täter, die zuvor in Chemnitz schon zwei persische Restaurants und ein jüdisches Lokal angegriffen haben? Das jüdische Restaurant Schalom und dessen Betreiber wurden Ende August attackiert.

Im Fall des Mangal haben Nachbarn gegen halb drei Uhr nachts drei Personen in einen Wagen flüchten sehen, so steht es in der Polizeimeldung. Ein rechtsextremer Hintergrund ist noch nicht bewiesen. Jedoch hat das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) die Ermittlungen übernommen, die Staatsschutz-Abteilung des Landeskriminalamts Sachsen. Was so viel heißt wie: Es wird stark von einem rechtsextremistischen Hintergrund ausgegangen. Auch die Taskforce "Gewalt" war vor Ort – eine erst Anfang Oktober gegründete Eingreifgruppe des Landeskriminalamts, die die örtliche Polizei bei rechtsextremen und terroristischen Gewaltdelikten unterstützen soll.