Die Lage des deutschen Handwerks ist ein Elend, das niemanden gleichgültig lässt. Dabei geht es nicht allein um den Mangel an Nachwuchs, sondern auch und vor allem um das beklagenswerte Niveau der Ausbildung. Zwei Beispiele: Bei dem Versuch, einen Fahrkartenautomaten in die Luft zu sprengen, kam in Halle ein 19-jähriger Mann ums Leben. Zweitens: In Berlin misslang der Überfall auf einen Geldtransporter. Auf der Flucht verursachten die Täter mehrere Unfälle und ließen die Beute mitsamt dem Auto zurück.

Selbst der Laie erkennt, dass hier grobe Fehler begangen wurden, und der Fachmann wird darauf aufmerksam machen, dass es fahrlässig ist, den Ort vor einer Sprengung nicht unverzüglich zu verlassen. Einbruch ist bekanntlich ein Handwerk – wenn auch kein überall gleichermaßen geschätztes –, das selbstverständlich gewisse technische Fertigkeiten verlangt, von den moralisch-menschlichen Voraussetzungen erst gar nicht zu reden. So ist etwa die Flucht ein nicht zwingend notwendiger, aber doch recht häufiger Bestandteil einer solchen Aktion, und wer sie derart panisch ausführt, dass es zu Unfällen kommt, sollte einen anderen Beruf ergreifen.

Ein guter Einbruch ist aber nicht nur Handwerk, sondern auch Kunst, und hier muss sich die Beschwerde leider an die eigene Adresse richten. So wie das Theater nicht ohne die Theaterkritik und die Literatur nicht ohne die Literaturkritik gedeihen kann, so steht auch der Einbruch ohne eine professionelle Einbruchskritik auf verlorenem Posten. Hier sind also nicht allein die Handwerkskammern gefragt, sondern auch die Journalistenschulen.

Es ist, wie der hier nun wirklich passende Spruch lautet, noch kein Häkchen vom Himmel gefallen, anders gesagt: Früh krümmt sich, wer ein Meister werden will. Und früh heißt von Kindesbeinen an. Wo aber sind die großen Vorbilder? Man erinnere sich nur an den Film Rififi von Jules Dassin aus dem Jahr 1955: Was man hier über die Kunst des Einbruchs lernen kann, setzt Maßstäbe, denen der Tatort in der Regel nicht genügen kann. Das Versagen liegt jedoch auch bei den Berufsverbänden. Wenn die nicht darauf achten, dass handwerkliche Standards eingehalten werden, muss man sich über Dilettantismus nicht wundern. In Fritz Langs Film M sind es just diese Berufsverbände, die dafür sorgen, dass der irreguläre Triebtäter gefasst wird und die Unterwelt ihre Profession weiterhin mit Sorgfalt ausüben kann. Mit anderen Worten: Es gibt viel zu tun. FINIS