Vielleicht gab es einen Zeitpunkt, zu dem sich noch hätte vermeiden lassen, dass aus dem Dieselbetrug und dem Vertrauensverlust für Deutschlands wichtigste Industrie auch eine politische Krise wird. Zum Beispiel 2015, als der Skandal aufflog und die Bundesregierung darauf bedacht war, aus dem "Volkswagen-Problem" kein Dieselproblem zu machen. Sie hätte stattdessen die Verhältnisse bei anderen Herstellern aufklären können. Oder 2016, als Berlin sich in Europa für lockere Abgasgrenzwerte einsetzte und deutsche Autohersteller mit Software-Updates für ihre schmutzigen Fahrzeuge davonkommen ließ, statt sie mit Geldbußen zu belegen. Oder 2017, als man beim ersten Dieselgipfel einen großen Wurf versprach, der Industrie aber kaum echte Zugeständnisse abverlangte.

Eine Woche vor der Hessenwahl 2018 jedenfalls war es sicher zu spät. Allzu durchschaubar war Angela Merkels Vorstoß, noch schnell eine Regelung anzubieten, mit der sich die Fahrverbote in Frankfurt vermeiden ließen: Städte, welche den Grenzwert für Stickoxid nur geringfügig überschritten, sollten per Gesetz von Fahrverboten ausgenommen werden, forderte die Bundeskanzlerin. Es klang wie eine Lösung, maßgeschneidert für Frankfurt. Parallel zu Merkels Vorschlag hatte sich der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier allerdings bereits mithilfe neuer Zahlen darum bemüht, Frankfurt als besonders stark vom Abgas betroffene Stadt zu präsentieren, damit die örtlichen Dieselfahrer zumindest Umtauschprämien für ihre Autos bekommen. Für Merkels Ausnahmeregel kam Frankfurt damit nicht infrage.

Aus der Sorge um den Diesel ist die Sorge um eine Politik geworden, die ihre eigene Ohnmacht vorführt. Dass es für den Vorschlag der Kanzlerin zu einem anderen Zeitpunkt sogar gute Argumente gegeben hätte, spielt da keine Rolle mehr.