"Es ist schön, wenn eine Leserin mir schreibt, mein Buch sei ihr Lieblingsbuch"

Kirsten Fuchs, 40, Schriftstellerin. Zuletzt ist ihre Kurzgeschichtensammlung "Signalstörung" im Rowohlt Verlag erschienen

"Früher bedeutete Erfolg für mich vor allem Bestätigung. Ich war selbst nicht so überzeugt von dem, was ich tue – und wenn jemand etwas Positives gesagt hat, dann hat mir das gutgetan. Zweimal habe ich bei Schülerschreibwettbewerben gewonnen. Es war ein tolles Gefühl, zu merken, dass ich wahrgenommen werde und eine offizielle Stelle sagt: 'Das kannst du.' Später habe ich es als Erfolg empfunden, wenn ich mitbekam, dass meinen Lesern etwas besonders gut gefällt. Wenn eine Leserin mir schreibt, mein Buch sei ihr Lieblingsbuch und sie würde ihrer Tochter immer daraus vorlesen. Oder wenn jemand zu mir sagt: 'Dank Ihnen habe ich endlich Worte für das gefunden, was ich selbst fühle.' Einmal kam ein handgeschriebener Brief von einem Mädchen an, das unbedingt in dem Film mitspielen wollte, sollte mein Buch denn verfilmt werden. Und natürlich ist es eine tolle Auszeichnung, wenn mein Verlag sagt, wir drucken auch das nächste Buch. Ein besonders großer Erfolg für mich ist, dass es mit dem Schreiben inzwischen schon so lange funktioniert, auch wenn ich inzwischen zwei Kinder habe und manchmal Mühe, mir die Stunden, die ich in meinem Büro arbeiten kann, freizuschaufeln."

"Meine Einstellung ist: nicht nur mosern, sondern wirklich etwas tun"

Annika Popp, 31, Bürgermeisterin von Leupoldsgrün, einer 1300-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Hof in Bayern

"Ich wurde mit 26 Jahren zur Bürgermeisterin gewählt. Das war mein bisher größter Erfolg. Als ich mich zur Wahl stellte, haben mich viele unterschätzt. Das kleine Mädchen schafft das sowieso nicht, war die Einstellung meiner Konkurrenten. Doch ich hatte mich schon als Jugendliche ehrenamtlich engagiert und war als 20-Jährige im Gemeinderat aktiv. Schließlich habe ich einen intensiven Wahlkampf betrieben – und mich durchgesetzt! Für mich ist es wichtig, dass ich von den Leuten ernst genommen und respektiert werde. Und es ist ein Erfolg für mich, wenn die Menschen zufrieden sind. Meine Einstellung war und ist: Nicht nur mosern, sondern wirklich etwas tun. Ich habe es zum Beispiel geschafft, hier einen Allgemeinmediziner anzusiedeln. Mein Vorgänger hatte das vergeblich versucht. Ich bin hartnäckig geblieben und konnte am Ende zwischen fünf Ärzten wählen, die alle bereit waren, in Leupoldsgrün eine Praxis zu eröffnen. Natürlich gibt es noch viel zu tun. Mein Ziel ist es, junge Leute und Familien herzuholen und so zu verhindern, dass das Dorf irgendwann ausstirbt. Seit zwei Jahren gibt es tatsächlich einen Bevölkerungszuwachs. Die Kita ist inzwischen voll ausgebucht."

"Was für mich Erfolg bedeutet, hat sich über die Jahre sehr verändert"

Thomas Straubhaar, 61, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg

"Der größte Erfolg in meinem Arbeitsleben war meine Berufung zum Professor und dann auch noch zum Präsident eines großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts. Mehr kann man als Wissenschaftler kaum erreichen. Aber es sind nicht nur diese Positionen, die mir ein gutes Gefühl geben: Wenn ich miterlebe, wie junge Menschen, die bei mir studiert haben, beruflich erfolgreich werden, ist das eine Genugtuung, die alles andere überstrahlt. Das bedeutet mir mehr als ein gutes Einkommen, ein bestimmter sozialer Status oder Prestige. Auch das Erscheinen eines Buches oder eine gelungene Vorlesung sind natürlich Erfolge, die mir Bestätigung geben. Oder wenn das Ergebnis einer Promotion eines Doktoranden in einem wissenschaftlichen Journal erscheint oder ein EU-Drittmittelprojekt genehmigt wird. Was für mich Erfolg bedeutet, hat sich über die Jahre sehr verändert. Als junger Mensch bin ich jeden Tag um zehn Uhr zum Briefkasten gegangen, um nachzusehen, ob ein Artikel von mir zur Veröffentlichung akzeptiert wurde. Damals war es für mich existenziell wichtig, wahrgenommen zu werden. Inzwischen bin ich abgesichert und muss diese Sorge nicht mehr haben."