Die eigentliche Kunst der Baumärkte bestand darin, dieses Zeug in etwas Begehrenswertes zu verwandeln. Und das gelang ihnen, indem sie den Menschen darin bestärkten, aus diesen verunglückten Zutaten etwas Persönliches erschaffen zu können, und zwar in Heim und Garten.

Baumärkte geben einer inneren Unrast ("Es ist immer was zu tun") eine Richtung und schenken ihren Kunden das Gefühl, in einer immer komplexer werdenden Welt alles unter Kontrolle zu haben.

Steinerne Gärten reimen sich aber erst dadurch endgültig auf die heutige Zeit, indem sie nicht wachsen müssen, sondern in dem Moment fertig sind, in dem der letzte Stein gesetzt wird. Diese Gärten sind Instant-Produkte. Sie sind wie Leasen statt Sparen, wie Cluburlaub statt Campingplatz, wie Drei-Minuten-Terrine statt Selberschälen. Der Eigentümer eines Instant-Gartens muss nicht warten, muss nichts wachsen lassen, nichts pflegen, er muss keine Dürre fürchten und keinen Frost.

Jemand, der sein Grundstück so versiegelt, ist natürlich nicht unschuldig, ist kein reines Opfer einer allzu schlauen Industrie. Wer keine Bäume und Blumen pflanzt, sondern fugendichte Flächen liebt, auf denen allenfalls Moose haften, ist ein Naturfeind. Käfer, Spinnen und Bienen finden bei ihm nichts zu fressen, und damit es so bleibt, hat er sein Handwerkszeug gleich hinterm Garagentor. Es ist nicht Harke und nicht Spaten – es ist die Giftspritze.

Ein bisschen bin ich selbst überrascht über meinen inneren Aufruhr. Zumal ich über Jahre gar keinen Garten besitzen wollte. Denn ich weiß aus Kindertagen, was es heißt, einen zu pflegen. Ich erinnere mich, wie ungern ich Rasen gemäht und Kompost umgeschichtet habe, wie anstrengend es war, die Hecke zu schneiden und Stachelbeeren zu ernten, obwohl das ja bloß ein Bruchteil der nötigen Arbeit war. Das meiste haben meine Eltern erledigt. An eine einzige Pflanze hatte ich damals mein Herz verschenkt – abgesehen von den Kakteen und Sukkulenten auf meiner Fensterbank –, und das war ein Mirabellenbaum. Aber ausgerechnet der trug wenig und in vielen Jahren gar nicht.

Kurzum, ich hatte als Erwachsener entschieden, dass in meinem Leben für einen Garten kein Platz ist, keine Zeit. Also habe ich es gelassen. Nicht mal einen Balkon habe ich wirklich gebraucht.

Aber es ist die ganze Zeit eine Sehnsucht geblieben. Gespeist aus Erinnerung. Wie im März die ersten Krokusse vor der Haustür sprießen. Wie es ist, einen Strauß Forsythien zu schneiden. Und dann diese Tage im Mai! Wenn man sich zum ersten Mal ins warme Gras legen kann, mitten in den Duft hinein, drum rum die letzten Tulpen – und obendrüber das eigene Stückchen Himmel. Klingt kitschig? Mag sein. Hat sich aber eingebrannt, und inzwischen bin ich an dem Punkt, an dem ich mir vorstellen kann, einen eigenen Garten anzulegen. Vielleicht ist es bald so weit. Denn ich bin umgezogen und muss nun nur noch mit meinem Vermieter klären, ob ich den zum Haus gehörenden Garten "in Besitz" nehmen darf.

Ich rede also nicht von ein paar Hochbeeten auf einem Dach, wie es die Urban-Gardening-Bewegung propagiert. Auch einen Kleingarten halte ich für einen unzulänglichen Kompromiss. Deshalb verstehe ich Menschen nicht, die ein eigenes Grundstück besitzen und trotzdem aufs Paradies verzichten.