DIE ZEIT: Herr Hoffman, 2001 gründeten Sie zunächst mit dem Fine Art Group Fund einen Kunstfonds, ehe Sie später auch ins Beratungsgeschäft einstiegen. Warum glaubten Sie damals, man könne mit Kunst Geld verdienen?

Philip Hoffman: 1989, ich war 27 Jahre alt, wurde ich Finanzdirektor bei dem Auktionshaus Christie’s. Als ich eines Tages mit einem Kunden über eine Vedute des italienischen Malers Canaletto sprach, hatte ich mein Schlüsselerlebnis. Er erzählte mir, er hätte sie einst für 30.000 Pfund gekauft. Nun schätzten wir sie auf drei Millionen! Ähnliches beobachtete ich bei Picasso oder Monet. Ich dachte: Solche Preissteigerungen sind eine Gelegenheit, Kunst zu kaufen, die man liebt, und gleichzeitig Geld zu verdienen – vorausgesetzt, man versteht den Kunstmarkt.

ZEIT: Kunst als Wertanlage also.

Hoffman: Richtig. Allerdings sprach man damals nicht über Kunst als Investition. Dass man mit ihr auch Geld verdienen kann, wurde nicht kommuniziert. Als ich Christie’s zur Jahrtausendwende verließ, hatte sich diese Haltung bereits verändert. Mehr und mehr Käufer stellten den Renditeaspekt in den Vordergrund, mehr und mehr Investoren kamen in den Kunstmarkt, er globalisierte sich. So entstand meine Idee, vermögenden Investoren Kunst als Anlage näherzubringen. Mir war klar geworden, dass diese Menschen Kunst deshalb nicht in ihr Portfolio einbezogen, weil sie den Markt nicht kannten und Angst vor Fehlern hatten.

ZEIT: Wie funktionieren Ihre Kunstfonds?

Hoffman: Wir haben 2001 einen Fonds in Höhe von 25 Millionen Pfund für private Investoren aufgelegt. Wir konzentrieren uns auf Werke von alten Meistern, Impressionisten, Künstlern der klassischen Moderne und Zeitgenossen. Die erworbenen Werke lagern wir in Freilagern in Genf, Delaware oder Hongkong oder verleihen sie an Museen. Einige Fonds laufen fünf, andere zehn Jahre, und alle sind profitabel.

ZEIT: Das heißt in Zahlen?

Hoffman: Wir sprechen von rund zehn Prozent jährlicher Rendite pro Werk. Dies gelingt uns, weil wir mit unserem Expertenteam die Echtheit und Provenienz jeweils akribisch prüfen.

ZEIT: Sie bieten nicht nur Kunstfonds an, Sie beraten auch Käufer und Sammler. Wer sind Ihre Kunden, und wie viel Geld müssen die mitbringen?

Hoffman: Manchmal sind das Sammler, für die wir ein bestimmtes Werk suchen. Doch vorzugsweise sind es Familien, die eine Sammlung aufbauen wollen. Das Minimum beträgt mehr als eine Million Euro. Als Vorschuss nehmen wir 25.000 Euro, um tätig werden zu können.

ZEIT: Das heißt?

Hoffman: Wir beraten zum Beispiel eine Familie im Nahen Osten und eine in Hongkong. Die wollen von uns keine Investment-Tipps, sondern eine präzise Analyse der Werke. Denn sie haben den ein oder anderen Fehlkauf getätigt und beispielsweise eine Fälschung erworben. Wir agieren in diesen Fällen nicht als Verkäufer, sondern als Experten. Wir liefern den akademischen Input, das Marktwissen und eine exakte Preisfindung. Wir verstehen den Markt, nicht zuletzt, weil wir seine Player kennen, seien es Auktionatoren, Galeristen, Messedirektoren oder Sammler. So sind wir immer etwas besser und schneller informiert. Und am Ende raten wir unseren Kunden häufig von Käufen ab. In einem normalen Monat prüfen wir Kunst im Wert von rund 100 Millionen Euro auf ihre Werthaltigkeit. 95 Prozent lehnen wir ab.