I. Handfest und drastisch

Sie spielen Karten, rauchen, saufen, streiten. In der Scheune, der Dorfschenke, dem Bordell. Handfest und drastisch geht es da zu. Adriaen Brouwer hat solche Szenen immer wieder gemalt. Eine Auswahl seiner Werke wird gerade in einer Ausstellung in seiner Geburtsstadt Oudenaarde bis zum 16. Dezember gezeigt. Immer geht es um den Alltag der einfachen Leute im 17. Jahrhundert, dem sogenannten Goldenen Zeitalter der Niederlande.

II. Bereits die Griechen?

Genremalerei werden solche Sujets genannt. Manche wollen sie bereits in der griechischen Vasenmalerei entdeckt haben, weil sich die antiken Götter da ganz häuslich geben. Aber eigentlich tauchen sie erst in der mittelalterlichen Buchmalerei auf, bei der Alltagsszenen in den Randleisten die heiligen Texte begleiten. Das Stundenbuch des Herzogs von Berry ist das schönste Beispiel dafür. Mit Pieter Brueghel d. Ä. wurden diese Motive für die Tafelmalerei bildwürdig.

III. Belehrend und heiter

In den Niederlanden vollzog sich im 17. Jahrhundert ein gesellschaftlicher Wandel. Mit dem Ostasienhandel entstand eine bürgerliche Schicht, deren Reichtum sich durchaus mit dem des Adels und der Fürsten messen konnte. Die Bilder, die diese Neureichen in Auftrag gaben, waren einerseits Porträts und Familienszenen, und andererseits stellten sie mehr oder minder moralisierend die Unsitten der einfachen Leute realistisch oder spöttisch dar.

IV. An letzter Stelle

In der Rangfolge der malerischen Motive – und damit in der Einschätzung eines Künstlers – galt die Genremalerei als niedere Kunst. Am meisten wertgeschätzt wurde die Historienmalerei, die das biblische Geschehen, das Leben der Heiligen künstlerisch überhöhte. Danach folgten die Porträts, die "Personen von Stand", aber auch Patrizier und reiche Handelsleute ins Bild setzten. Schließlich kam die Landschaft, die sich damals als eigenständiges Motiv entwickelte. Erst dann folgte die Genremalerei, die einfache Menschen in ihrem Alltag, oft mit grotesken Zügen darstellte.

V. Populär und kritisch

Das Genre, gelegentlich auch Sittenbild genannt, war in allen Ländern Europas populär, im 19. Jahrhundert oft mit sozialkritischem oder folkloristischem Akzent. Es überlebte auch die Ideologien des 20. Jahrhunderts, denen die Form wichtiger war als der Bildgehalt. Zuletzt sah man es auf den Titelseiten populärer Zeitschriften. Am schönsten bei der Saturday Evening Post mit Norman Rockwell.