Als ich 16 war, sagten mir die Ärzte, dass ich einen künstlichen Darmausgang bekommen muss. Kurz zuvor hatten sie bei mir Morbus Crohn diagnostiziert, eine chronische Entzündung des Darms, die einfach nicht besser wurde – auch nicht mit Medikamenten. Das war keine schöne Nachricht. Ich wusste, ab jetzt würde mein Stuhl den Körper nicht mehr über den Darm verlassen, sondern über ein daumengroßes Loch rechts neben meinem Bauchnabel, wo er von einem Beutel aufgefangen wird. Das Stoma, wie man den künstlichen Darmausgang auch nennt, wollten die Ärzte später eigentlich wieder entfernen – nur deshalb hatte ich dem Ganzen überhaupt zugestimmt. Dass mein Darm sich von den Entzündungen nicht erholen würde, konnte allerdings niemand ahnen. Nur wenige Monate später wurde der Dickdarm dann komplett entfernt.

Das ist jetzt gut acht Jahre her. Mittlerweile bin ich 25. Im Rückblick überrascht es mich selbst, wie schnell ich den künstlichen Darmausgang akzeptiert habe. Berührungsängste hatte ich eigentlich nie. Auch an die OP-Narben habe ich mich schnell gewöhnt. Anstrengend war allerdings, dass der Darmausgang immer wieder verstopfte. Das war nicht nur nervig, sondern tat auch weh. Nach zwei Jahren wurde das Stoma daher zu einem sogenannten Kock-Pouch umfunktioniert: Der Beutel kam weg, und aus meinem Dünndarm wurde eine Tasche geformt, die den Stuhl im Körperinneren auffängt. Raus bekomme ich ihn mithilfe eines Katheters – für mich eine unheimliche Erleichterung.

Mittlerweile verläuft mein Leben wieder ziemlich normal: Ich treffe Freunde, fahre in den Urlaub, auf Festivals und habe einen Partner. Unser erstes Date hatten wir im Krankenhaus. Wir hatten uns über Facebook kennengelernt, und als ich in die Klinik kam, fragte ich ihn, ob er mich nicht besuchen wolle. Bis wir dann wirklich zusammenkamen, hat es zwar etwas gedauert, aber der Kock-Pouch hat ihn nie gestört. Was mich momentan sehr beschäftigt, ist das Kinderkriegen. Technisch sollte das kein Problem sein. Durch die vielen OPs könnte allerdings meine Fruchtbarkeit gelitten haben. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Kock-Pouch durch die Schwangerschaft kaputtgeht. Für mich stand eigentlich immer fest, dass ich Kinder haben will. Unter diesen Voraussetzungen bin ich mir jedoch nicht mehr so sicher, weil ich meinen Kock-Pouch nicht verlieren will.