Eine Talentquote soll das Einser-Abitur ergänzen.

Ende 2017 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass der Numerus clausus in Humanmedizin verfassungswidrig ist. Nicht die Zugangsbarriere NC an sich, sondern die Art und Weise, wie sie bislang angewandt wurde.

Zum Sommersemester 2020 muss die Politik eine neue Regelung präsentieren, und schon jetzt zeichnet sich ab: Die Reform wird sich nicht auf die Humanmedizin beschränken. Höchstwahrscheinlich werden die Wissenschaftsminister auch den Zugang zu Tier-, Zahnmedizin und Pharmazie, also zu allen Studienfächer mit bundesweit zentraler Studienplatzvergabe, neu regeln.

Die wichtigste Neuerung ist: Die "Wartezeitquote", über die bislang 20 Prozent der Plätze vergeben wurden, fällt weg. Abiturienten ohne Einserschnitt können sich den Studienstart also nicht mehr "erwarten". Dafür soll es eine sogenannte Talentquote geben, ebenfalls von 20 Prozent. Bei dieser Quote sollen die Schulnoten gar nicht zählen, entscheidend sind voraussichtlich berufliche Vorerfahrungen, standardisierte Bewerbungsgespräche oder auch die Punktzahl in Studierfähigkeitstests.

Über den Großteil der Studienplätze (bisher 60 Prozent) entscheiden weiter die einzelnen Hochschulen, allerdings müssen sie zusätzlich zur Abiturnote weitere der genannten Kriterien in ihr Auswahlverfahren aufnehmen. Die übrigen 20 Prozent werden wohl auch künftig über eine bundesweite Liste allein anhand der Abiturnoten vergeben. Apropos Abiturnoten: Solange sie von Land zu Land so stark abweichen – Thüringen zum Beispiel für die gleiche Leistung bessere Zensuren gibt als Bayern oder Niedersachsen –, muss die Politik künftig eine Ausgleichsformel anwenden, damit alle die gleichen Chancen haben.Und was ist mit jenen, die zum Teil schon jahrelang auf der Warteliste stehen? Für sie wäre eine Übergangsphase am besten. Über das Ob und Wie sind sich die Kultusminister aber noch uneins.