Es ist echt anstrengend! Das ist das Erste, was du über die Middle School wissen musst. Und ich spreche hier nicht bloß vom Unterricht. Wichtig ist vor allem, cool zu sein. Was ich mit cool meine, fragt Mama. Wenn ich das nur wüsste ... Aber der Reihe nach.

Ich heiße Max, bin elf Jahre alt und lebe in Brooklyn, einem Stadtteil von New York. Vom Kindergarten bis zur fünften Klasse war ich in der Grundschule "PS 261". In New York haben öffentliche Schulen eine Nummer. Doch schon mein letztes Schuljahr dort hatte ich eigentlich nur die Middle School im Kopf. Die heißt so, weil sie in der Mitte (middle) zwischen Grundschule und Highschool ist. Eine Schule nur für die Klassen sechs, sieben und acht.

Um die passende zu finden, schleppte Mama mich im letzten Herbst zu gut einem Dutzend Middle Schools in unserer Umgebung. Dort saßen wir mit Hunderten anderen Kindern und Eltern und hörten den Schulleitern zu, die alle erzählten, wie wunderbar ihre Schule sei: Superlehrer, tolle Ausflüge und so.

Wir machten eine Liste der Schulen, auf die ich gerne gehen wollte (und mit denen meine Eltern einverstanden waren). Dann mussten wir monatelang warten. Wer wohin kommt, entscheidet die Schulbehörde. Von der bekamen wir zum Ende des vergangenen Schuljahres einen Brief. Ich war bei der "MS 51" angenommen worden. Die Nummer eins auf meiner Liste. Yeah!

4. September: Mein letzter Ferientag

Ich bin ganz schön nervös und kann mich kaum auf Fortnite konzentrieren. Das ist ein Videospiel, bei dem man ums Überleben kämpfen muss. So stelle ich mir auch die Middle School vor. Aus Filmen und Büchern wie Gregs Tagebuch habe ich schon viel darüber erfahren. Ich weiß, dass die oberen Klassen, die Siebt- und Achtklässler, uns Sechsklässler verachten werden. Und wer nicht cool ist, hat verkackt. Ach ja, dann sind da noch die Lehrer und die Noten, und jeder stöhnt über die vielen Hausaufgaben.

5. September: Mein erster Schultag

Heute früh war Mama ganz nervös. Fünfmal hat sie gefragt, in welcher Klasse ich bin. Um 8.40 Uhr finden wir uns auf dem Sportplatz der Schule ein. Ich bin einer von ungefähr 350 neuen Sechstklässlern. Ich entdecke ein Mädchen, das ich aus der Grundschule kenne. Aber die war immer eine Streberin. Ich bete dafür, nicht nur blöde Mitschüler zu bekommen, als Mama flüstert: "Schau mal, der Junge macht den gleichen Ententanz wie du." Sie meint die Moves von Orange Shirt Kid, das kommt auch in Fortnite vor. Leider flüstert Mama ziemlich laut. Wie peinlich!

Bevor ich sie wegschicken kann, kommt meine neue Klassenlehrerin Miss K. (Ich nenne hier lieber keine vollständigen Namen, schließlich habe ich noch drei Schuljahre vor mir.) Miss K. nimmt mich in den Arm. Für ein Foto. Mama ist begeistert. Oh Mann! Endlich geht’s ins Klassenzimmer.

Zweiter Tag: Die Sache mit dem Locker

Wir treffen uns mit Miss K. im Home Room, unserem Klassenzimmer. Jeden Morgen checkt Miss K. hier, ob wir alle da sind. Heute zeigt sie uns unsere Locker. Das sind schmale Schränke im Home Room. Jeder hat einen, und jeder hat ein Zahlenschloss dafür mitgebracht. Einer meiner Mitschüler hat seine Kombination allerdings gleich wieder vergessen. Der Hausmeister kommt und knackt das Schloss mit einem Gerät, das aussieht wie eine fette Schere. Er hat das wohl schon oft gemacht.