Das Telefonat hat ein paar Anlaufschwierigkeiten, weil Paul Romers Telefon nicht funktioniert. Nach mehreren Versuchen ruft er selbst zurück ...

DIE ZEIT: Herr Romer, sind Sie nun dran?

Paul Romer: Das ist wirklich ironisch. Ich bin ja der Typ, der immer erzählt, wie großartig neue Technologie ist. Und jetzt bringe ich dieses Telefon nicht zum Laufen.

ZEIT: Nun haben wir es ja geschafft. Hat sich Ihr Leben durch den Nobelpreis schon verändert?

Romer: Ein Freund, der früher im Nobelpreis-Komitee war, sagte mal zu mir: Paul, du kannst dir nicht vorstellen, wie viele Karrieren wir ruiniert haben. Ich versuche zu verhindern, dass mir das passiert. Ich möchte nicht den Kontakt zu dem verlieren, was das Professoren-Dasein ausmacht: neue Dinge zu lernen und neue Ideen zu verfolgen.

ZEIT: Wie würden Sie einem Laien die wichtigsten Erkenntnisse Ihrer Forschung erklären?

Romer: Ich habe mir das Wirtschaftswachstum aus einer sehr langen historischen Perspektive angeschaut. Man wusste, dass sich die Wachstumsrate mit der Zeit beschleunigt hat. Ich wollte erklären: Was verursacht das Tempo des Fortschritts? Was verursacht technologischen Wandel? Und warum beschleunigt er sich?

ZEIT: Was haben Sie herausgefunden?

Romer: Ein wichtiger Grund für Wirtschaftswachstum ist, dass man Wissen teilen kann. Wissen ist ein ganz anderes Gut als zum Beispiel Stahl oder Öl. Wenn man wertvolles Wissen entdeckt, kann jeder es zur gleichen Zeit nutzen. Mein Kollege Chad Jones hat dann noch gezeigt, welche Rolle eine Vergrößerung des Marktes spielt. Dass also, wenn mehr Menschen da sind, auch mehr Entdeckungen entstehen und nachgefragt werden. Und so ist der Prozess von Bevölkerungswachstum und Globalisierung der Schlüssel, um schnelleres Wachstum zu verstehen.

ZEIT: Warum ist das so?

Romer: Mit der Größe des Marktes erhöht sich auch seine Macht als Entdeckungsmaschine. Deshalb ist Globalisierung so wichtig. Es geht nicht nur um die alte Geschichte, in der ein Land von einem Gut mehr hat als ein anderes und in der beide dann tauschen. Es ist eine Geschichte darüber, Wissen zu teilen. Und ich denke, sie ist wichtiger in der modernen Welt.

ZEIT: Für ein bereits stark in die Weltwirtschaft eingebundenes Land wie Deutschland wäre damit nicht mehr viel zu gewinnen, weil mehr Globalisierung kaum geht. Was soll die Regierung tun, um die nächste Innovationswelle zu ermöglichen?

Romer: Deutschland sollte in internationalen Organisationen sagen: Lasst uns zusammenarbeiten, um Technologien zu finden, die CO₂-arme Energie verwenden. Lasst uns CO₂ besteuern, um diese Technologien zu fördern. Darauf hinzuarbeiten, das ist eine Möglichkeit für ein Land wie Deutschland, die technischen Grenzen zu erweitern.