Der markante Schriftzug prangt in Hamburg auf sieben Fassaden: LEIHHAUS. Dahinter verbergen sich Filialen von "Grüne’s Leihhäusern", der größten Pfandkredit-Kette in Deutschland, seit 1932 im Besitz der Hamburger Familie Grüne. Axel Grüne, der Enkel des Gründers, pendelt das ganze Jahr über zwischen den 22 Standorten.

Axel Grüne: Wussten Sie, dass Hamburg und Pfandkredit eng verbunden sind?

DIE ZEIT: Ist das so?

Grüne: Kennen Sie die Lombardsbrücke? Sie ist nach einem Haus unseres Gewerbes benannt, das 1651 an den alten Wallanlagen errichtet wurde.

ZEIT: Wie viele Pfandscheine stellen Sie denn den Hamburgern im Jahr aus?

Grüne: Ich kann keine Umsatzzahlen benennen, aber es sind nicht wenige. Wir beleihen viele Gegenstände, die andere Leihhäuser nicht annehmen.

"Wir verleihen Heimwerkerartikel, Spielekonsolen, auch Pfänder im Wert von zehn oder fünf Euro."
Axel Grüne von der größten Pfandkredit-Kette in Deutschland

ZEIT: Zum Beispiel?

Grüne: Heimwerkerartikel, Spielekonsolen, auch Pfänder im Wert von zehn oder fünf Euro.

ZEIT: Für welchen Gegenstand erhalte ich bei Ihnen fünf Euro?

Grüne: Für eine einfache Uhr. Auch ein Knirps kann fünf Euro wert sein. Für eine Stichsäge, die beim Discounter 36 Euro gekostet hat, geben wir auch mal sechs Euro. Wir können nur annehmen, was man auch versteigern kann. Wobei wir treuen Kunden, die zuverlässig wieder abholen, natürlich mehr Gegenstände abnehmen als einem Neukunden, von dem wir ahnen, dass die Oma gestorben ist und er nur den Keller leer räumt.

ZEIT: Wie genau verdient ein Pfandleiher an dem Geschäft?

Grüne: Da treffen Sie einen Punkt: Jeder denkt, er wüsste, was bei der Pfandleihe passiert. Die meisten Leute aber haben komplett falsche Vorstellungen davon. Bei uns kriegen Menschen ihr Geld sofort ausgezahlt. Sie haften ausschließlich mit dem Pfand. Nur daraus kann ich also meine Kosten decken, wenn sie das Pfand nicht wieder abholen. Viele denken, der Pfandleiher würde versuchen, dem Kunden für einen verpfändeten Gegenstand so wenig wie möglich zu geben, um nachher bei einer Versteigerung einen satten Gewinn einzufahren. Der größte Blödsinn. Wir sind Geldverleiher, ein Kreditinstitut. Wir leben davon, dass wir das Geld verleihen – nur dann bringt es uns Zinsen ein. Liegt das Geld bei uns in der Kasse, kostet es. Es muss also raus.

"Immer wenn ich Gewinn mache, muss ich den Überschuss an den Kunden auszahlen."

ZEIT: Was verdienen Sie an der Versteigerung von nicht abgeholten Gegenständen?

Grüne: Bei den Auktionen bekomme ich nur mein Darlehen wieder, plus die angefallenen Zinsen, Unkosten und die Auktionskosten. Wenn ich Ihnen 300 Euro gegeben habe und ich kriege für Ihr Pfand nur 200, bleibe ich auf den fehlenden 100 Euro sitzen.

ZEIT: Und wenn Sie 1.000 Euro dafür kriegen?

Grüne: Dann ärgere ich mich, dass ich nicht mehr Geld dafür an den Kunden gegeben habe. Denn ich habe nur Anspruch auf die verliehenen 300 Euro, plus vielleicht 50 Euro Zinsen. Hätte ich dem Kunden 800 Euro dafür gegeben, hätte ich vielleicht 200 Euro Zinsen bekommen. Immer wenn ich Gewinn mache, muss ich den Überschuss an den Kunden auszahlen. Der hat zwei Jahre Zeit, den Überschuss abzuholen.

ZEIT: Und wenn er nie wiederkommt?

Grüne: Dann bekommt der Staat den Überschuss. Unser Kerngeschäft ist die Auszahlung von Krediten und deren Rückabwicklung. Davon leben wir. Zu den Auktionen sind wir gesetzlich verpflichtet, wenn der Kunde sein Pfand nicht einlöst.

ZEIT: Wie viel Prozent der verpfändeten Dinge werden wieder eingelöst?

Grüne: Im Schnitt 85 Prozent.