"Die Schweiz spricht" ist eine gemeinsame Aktion von ZEIT und ZEIT ONLINE, Schweizer Radio und Fernsehen, Radio Télévision Suisse, Tages-Anzeiger, Bund, Berner Zeitung, Le Matin Dimanche, 24heures, Tribune de Genève, Republik, Watson und WOZ.

Ich frage mich grundsätzlich, wie ein Mensch zu seiner politischen Einstellung findet und wie und warum er diese ändert. Irgendwie spielen irrationale Momente eine wichtige Rolle. Ich selber spreche öfter mit Andersdenkenden. Bei meinem Gesprächspartner ist das offenbar weniger der Fall. Wahrscheinlich sprechen "Linke" weniger mit Andersdenkenden.
Susanne Bächtold, Berlingen

Bemerkenswert für mich war das Interesse einer 20-Jährigen an politischen Fragen. Die junge Frau war die bessere Zuhörerin als ich und wirkte mir damit teilweise überlegen. Obwohl bei unserem Gespräch die politische Mitte auf eine Linke traf, war das Gespräch harmonisch, angenehm. Störend war etwas der Lärm des Cafés, aber wenn man sich an einem Sonntag trifft, ist das normal. Mit meiner Erfahrung aus Facebook-Foren betrachte ich solch persönliche Gespräche eindeutig als die bessere Gelegenheit, um sich auszutauschen. Der Ton macht die Musik, und der Ton ist anders, wenn man sich gegenübersitzt. Für mich etwas überraschend war, dass Vernunft durchaus auch in rot-grünen Bereichen nachzuweisen ist. Die öffentlichen Medien stellen dieses Spektrum vielleicht als zu ideologisch verbrämt vor. Kann auch sein, dass jugendlich politische Haltung zwar sozial geprägt ist, Vernunftargumente aber durchaus einfließen können, die Meinung noch nicht sedimentiert ist.
Hans Arnold, Rotkreuz

Mein Gesprächpartner und ich lagen politisch nicht so weit auseinander, was im Nachhinein aber eher gut für das Gespräch war. Wir konnten differenziert über Unterschiede in unserer Sichtweise reden. Und wir haben viel gelacht.Gregor Bangert, Bätterkinden

Es ist wie eine Begegnung auf einer Reise: Man beginnt miteinander zu sprechen, einfach so. Meinungen werden fortbestehen, aber der Kontakt und das Gespräch sind wichtiger. Dieser erste Schritt hat mir Mut gemacht.
Ursula Giger, Bern

Die aufgeschlossene und klare Denkweise meiner Partnerin, die meine Enkelin hätte sein könnte, hat mich gefreut. Wir haben über verschiedene politische Themen, aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft der Schweiz, einen sehr interessanten Austausch von Meinungen und Erfahrungen erlebt und dabei festgestellt, dass wir in vielen Bereichen ähnliche Ansichten haben. Heiße Eisen waren hingegen die Frage, wie wir den Wohlstand der Schweiz erhalten können oder die Arbeitsmarktfähigkeit der hiesigen Bevölkerung. Außerdem war es auch sehr spannend, persönliche Erlebnisse und Vorstellungen des eigenen Lebens zu diskutieren. Ich habe festgestellt, dass die Ideale der Jungen nahe bei unseren damaligen Träumen sind.Oscar Sallmann, Arbon

Wir haben sehr detailliert über unsere Lebenssituation und -geschichte gesprochen, und mir ist dabei sehr deutlich geworden, dass man einen Menschen und seine politischen Überzeugungen nur richtig verstehen kann, wenn man seinen Hintergrund gut kennt. Entgegengesetzte politische Auffassungen sind das Resultat unterschiedlicher Lebenswege und Lebensentwürfe. Das Private und das Politische sind nicht trennbar. Natürlich lässt sich nicht auf die Debatte einer ganzen Gesellschaft skalieren, was im persönlichen Gespräch möglich ist. Aber repräsentative Einzelschicksale sind eine gute Ergänzung zu Fakten und Statistiken, um ein Gefühl für die Motivation politischer Überzeugungen zu gewinnen. Es war auch interessant, dass wir als zwei Deutsche in der Schweiz diese unterschiedlichen Auffassungen und politischen Wahrnehmungen haben.Titus Neupert, Zürich