Wow, denkt man sich beim ersten Blättern, das muss man sich erst einmal leisten können: ein Magazin zu machen, das ganz allein auf die Brillanz seiner Autoren setzt und auf die Kraft ihrer Gedanken. Ein Heft, das es nicht nötig hat, seine Leser zum Lesen und Blättern zu verführen, sondern sich ihnen einfach zumutet. Und das nicht nur die Hoffnung, sondern die Überzeugung ausstrahlt, das Publikum habe darauf gewartet. Wie gut, dass es jemanden gibt, der dazu den Mut hat.

Der Name des Hefts, das sich all das leistet, lautet Sym, – das Komma ist kein Tippfehler, sondern Konzept – und wird ab sofort herausgegeben von den Musikdramaturgen und Philosophen Norbert Abels, Christian Grüny und Daniel Kühnel im Auftrag der Hamburger Symphoniker, die Chefredaktion übernimmt Angelika Jahr-Stilcken. Sym, mit voller Absicht altgriechisch, bekannt aus Worten wie Symphonie, Symbol, Symmetrie und Sympathie, dahinter das Satzzeichen, das zugleich abgrenzt und verbindet. Und gleich unter dem Namen, wie in einer wissenschaftlichen Publikation, steht auf der Titelseite das Inhaltsverzeichnis. Die Beiträge befassen sich mit Hannah Arendts Realismus, Hegels Verständnis von Tönen und der Frage nach dem richtigen Zuhören. Man habe nicht einfach eine Hauszeitschrift machen wollen, erklärt der Symphoniker-Intendant Daniel Kühnel, man wolle das Musikfeuilleton neu erfinden. "Menschen, die etwas Besonderes denken, soll die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gedanken zu äußern. In den Medien gibt es dafür zu wenig Platz, alles wird komprimiert und auf den Punkt gebracht." Eine Leinwand für den Diskurs über Musik soll das Heft sein, erhältlich im Zeitschriftenhandel, zugänglich für ein breites Publikum, auch wenn man manchmal einen Absatz zweimal lesen müsse. Wären die Texte ein wenig bekömmlicher, wäre ihr Publikum sicher auch noch größer. Bis dahin bleibt der Luxus, nicht auf den Punkt kommen zu müssen, nur durch eine Projektförderung des Bundes leistbar – in einer Kleinstauflage von 3000 Exemplaren und zum Preis von 14,50 Euro pro Ausgabe.