Auf einem staubigen Parkplatz am Rand von Berkeley haben sich die weed warriors verabredet, die Unkrautkrieger. Im Hintergrund glänzt die Golden Gate Bridge, der Berufsverkehr wälzt sich über die zehnspurige Interstate 580, vorn plätschert das Brackwasser der Bay von San Francisco. Es ist ein Trupp freundlicher Rentner, die von hier aus in den Kampf ziehen. Jeden Dienstag geht es gegen wucherndes Grünzeug, das nicht hierhergehört. Mal befreien sie einen Bachlauf von Unkraut, mal einen ganzen Uferstreifen. Heute haben sie es auf Mittelmeer-Ginster und Pampasgras abgesehen, das aus Südamerika eingeschleppt wurde. "Die Leute pflanzen das in ihre Gärten, weil es toll aussieht", erklärt die Anführerin Susan Schwartz, "aber es kann bis zu drei Meter hoch werden. Es verstopft unsere Bäche und erhöht die Feuergefahr." Also weg damit!

Die weed warriors mögen kurios erscheinen, doch ihr Einsatz ist typisch für die USA, das Land des zivilgesellschaftlichen Engagements. So wie die Unkrautkrieger setzen sich zahllose Organisationen in den Vereinigten Staaten für den Umweltschutz ein. Nirgendwo lässt sich das besser beobachten als rund um die San Francisco Bay. An den Wochenenden sind hier überall kleine Umweltgruppen unterwegs, die Gewässer und Strände säubern, Sträucher der giftigen poison oak von den Rändern der Wanderwege entfernen oder verletzte Robben und Delfine pflegen. Meist sind diese Aktionen an der frischen Luft mit viel guter Laune verbunden, doch seit Donald Trump vor zwei Jahren zum 45. Präsidenten der USA gewählt wurde, hat sich die Stimmung verändert.

Susan Schwartz holt mit der Spitzhacke aus und lässt sie mit Wucht auf ein Büschel Pampasgras niedersausen. "Wir hatten immer das Gefühl, dass es bei den Umweltproblemen langsam vorangeht", sagt sie, "doch jetzt geht es rückwärts." Seit mehr als 20 Jahren organisiert Schwartz die Einsätze der Unkrautkrieger, sie ist alt geworden, das Haar silbergrau, der Gang eher schleppend. Doch wenn die Rede auf Donald Trump kommt, dann ist die Kraft der Wut zu spüren.

"Wir sind nur eine kleine Gruppe von Umweltaktivisten", sagt sie. "Lange konnten wir darauf bauen, dass die Umweltbehörde EPA einschreitet, wenn Umweltvorschriften missachtet werden." Damit sei es vorbei. "Jetzt müssen wir wieder selbst aufpassen", erklärt Schwartz engagiert.

So wie die Unkrautkrieger werden viele Bürger im Land aktiv. Und diesen Widerstand bekommt Donald Trump zu spüren. Denn der Präsident hat nicht nur das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt, sondern auch Grenzwerte für Industrieabgase verwässert, den Einsatz gefährlicher Agrargifte erlaubt und zahlreiche Naturschutzgebiete für Bergbau und Ölförderung geöffnet, so wie etwa die National Monuments im Wüstenstaat Utah mit ihren markanten Felsformationen. Unter Trump wurde damit begonnen, das unter Obama erlassene Glühbirnenverbot rückgängig zu machen. Und rund um den Yellowstone-Nationalpark soll erstmals seit 40 Jahren wieder die Jagd auf Grizzlybären erlaubt werden. Insgesamt 46 Umweltvorschriften wurden gestrichen oder gelockert, weitere 30 Maßnahmen sind derzeit in Vorbereitung (siehe Infokasten unten).

Doch der umweltpolitische Rollback stößt auf erbitterte Gegenwehr. Nicht nur einzelne Aktivisten und Naturschutzorganisationen, auch gewiefte Juristen und ganze Bundesstaaten kämpfen gegen Trumps Umweltpolitik. Und sie sind verblüffend erfolgreich: Bisher hat keine einzige der von Trump verfügten Umweltmaßnahmen zu praktischen Konsequenzen geführt, die meisten Änderungen sind noch nicht einmal in Kraft getreten.

Überall verzögern Proteste und ziviler Widerstand die Umsetzung, rund 650 Verfahren sind vor Bundesgerichten anhängig, wie kürzlich die New Yorker Columbia Law School ermittelte. Auch die Jagd auf die Grizzlys im Yellowstone-Park wurde, bevor sie erstmals stattfinden konnte, von einem Bundesrichter auf Antrag indigener Gruppen und Umweltorganisationen wieder verboten. Die vor mehr als 200 Jahren in der US-Verfassung festgeschriebene Gewaltenteilung der Checks and Balances scheint zu funktionieren.

Dass viele der Gerichtsverfahren bisher zugunsten der Umweltschützer endeten, liegt auch daran, dass Trumps unerfahrene Teams bei der Formulierung der neuen Regeln immer wieder handwerkliche Fehler machen. Außerdem arbeiten sie bisher nicht mit der Änderung von Gesetzen, sondern ausschließlich mit Dekreten und Verordnungen. Im Kongress ist noch kein einziges Umweltgesetz geändert worden, und es ist unklar, ob das überhaupt gelingen würde. Denn auch unter republikanischen Senatoren und Abgeordneten gibt es viele, die Umweltschutzregeln in ihrem eigenen Wahlkreis verteidigen würden, weil sie sehr genau wissen, dass sonst ihre Wiederwahl gefährdet wäre. Umfragen zeigen, dass für eine große Mehrheit der US-Bürger der Umweltschutz höchste Priorität hat.

Entsprechend selbstbewusst treten die Umweltfreunde auf. Der Politikwechsel in Washington hat sie zwar ernüchtert, aber zugleich mobilisiert. Das lässt sich kaum irgendwo besser beobachten als bei der Jahrestagung der Society of Environmental Journalists (SEJ), des weltgrößten Verbandes von Umweltjournalisten, der Medienvertreter mit Forschern und Verbänden zusammenbringt. Knapp tausend Teilnehmer trafen sich dieses Jahr Anfang Oktober in der Nähe von Detroit, und schon die Eröffnungsdiskussion machte klar, worum es ging: Tracking Trump – "Trump verfolgen".

Dazu hatten sich die Umweltfreunde sogar einen ihrer besten Feinde eingeladen – Jeff Holmstead. Der Anwalt hat die Kohleindustrie gegen Obamas Clean Power Plan vertreten, der zur Schließung vieler Kohlekraftwerke geführt hätte. Tatsächlich konnten die Kohlelobby und Holmstead Obamas Vorhaben stoppen.