Ein Raum ohne Fenster, braune Sessel wie in einem alten Kinosaal, Licht gibt es auch nicht viel. Ein junger irakischer Christ erzählt von seiner Familie und wie gefährlich es ist, zur Kirche zu gehen, weil er nie weiß, ob er wieder nach Hause kommt. Man kann die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Seine Zuhörer sind 260 Bischöfe aus aller Welt. Sie treffen sich seit drei Wochen fast täglich in der Aula del Sinodo links neben dem Petersdom. Ihr Thema: "Die Jugendlichen, der Glaube und die Erkenntnis der Berufung". Sperriger Titel, spannende Frage: Wie sieht die Kirche der Zukunft aus? Papst Franziskus hat ein Buch herausgebracht, Gott ist jung, jetzt diskutiert die Bischofssynode, was das heißt. Wie wird eine alte Kirche jung? Die Europäer sind oft sprachlos, wenn andere Kirchen von ihrer Lage berichten.

Für mich als Beobachter ist dies die sechste Bischofssynode. Während dieser vier Wochen tausche ich meinen Schreibtisch bei Radio Vatikan gegen den Pressebalkon der Synodenaula. Jeden Mittag berichten wir den angereisten Journalisten vom Geschehen im Saal. Dort sind keine externen Kollegen zugelassen, damit die Synodenteilnehmer frei streiten können. Aber etwas ist neu: Dreißig junge Leute sitzen oben rechts im Saal. Schon im März kamen 200 nach Rom, um die Jugendsynode vorzubereiten. Nun beleben ihre Delegierten den Saal. Sie applaudieren – wenn eine junge Amerikanerin erzählt, wie sie aus Mexiko in die USA kam; wenn ein junger Pakistaner vom Christsein unter Muslimen berichtet; wenn ein Bischof für mehr Frauen im Kirchenapparat plädiert.

Stimmrecht haben hier zwar nur Bischöfe und Ordensmänner, aber den größten Einfluss haben diese jungen Menschen. Sie setzen den Ton, und wenn sie mal keinen Applaus spenden, ist klar, dass der Beitrag an ihrer Lebenswirklichkeit vorbeiging. So etwas gab es früher nicht. Früher diskutierten Bischöfe und Kardinäle höflich, eingeladene Laien waren leise und angepasst. Vorbei! Der Papst sitzt im Zentrum des Geschehens, den Stift gezückt, wach und eifrig schreibend. Nein, er leitet die Debatte nicht, das tun die Präsidenten, etwa Kardinal Charles Maung Bo aus Myanmar oder der chaldäische Kardinal Louis Raphaël Sako, der gern witzige Bemerkungen in seine Moderation einstreut. Franziskus aber steigt auch mal die Treppen hinauf zu den Jungen ("Er hat uns gesagt, wir sollen weitermachen mit dem Applaus und uns Gehör verschaffen"). Zu den Bischöfen geht er nicht extra. Die wissen, er will raus aus alten Bahnen. "Wir können es uns nicht leisten, ohne etwas Neues in der Hand nach Hause zu fahren." Es geht um die Zukunft der Kirche, um Teilhabe, Sprachfähigkeit, Glaubwürdigkeit. Es geht um alles.

Die Bischöfe des Westens reden über die Angst, den Anschluss an die kommende Generation zu verlieren und für die digitale Welt nicht gerüstet zu sein. Deutsche streiten über Glaubensweitergabe, Italiener über Liturgie. Afrikaner und Asiaten kritisieren vieles als zu europäisch-amerikanisch. Synodale aus Nahost schildern das Drama ihrer Verfolgung.

Ich habe eine Strichliste der Themen geführt: Am meisten genannt wurden Flucht und Migration. Aus dem Libanon hört die Synode, dass ein Drittel der dort lebenden Menschen Flüchtlinge sind. Aus Zentralafrika hört sie, dass die Klügsten und Fähigsten weggehen. Aus Südafrika, dass die meisten Flüchtlinge nicht nach Europa wollen, sondern in den Süden des Kontinents. Das andere Großthema ist Missbrauch. Ob USA, Deutschland, Australien: Die Enttäuschung über das Versagen der Kirchenleitung sitzt tief. Weitere Streitthemen? Sexualität und Partnerschaft, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Aber Achtung, eine Synode ist kein Parlament! Ihr Adressat ist allein der Papst. Die Synodenkommission schreibt ein Dokument, lässt es diskutieren, ändert, dann wird Absatz für Absatz abgestimmt. Der Rest liegt bei Franziskus.

Seine Synode kann das Rad nicht neu erfinden. Aber sie kann ein Bewusstsein dafür schaffen, was sich ändern muss, jetzt.