Es ist ein Fehler, diese bunten Supermarktprospekte, die sie einem immer in den Briefkasten stopfen, ungelesen wegzuwerfen. In dem jüngsten von Edeka, auf den mich Leser Heinrich W. hinwies, werden nämlich Mondäpfel angeboten. Diese sind zwar nicht auf dem Mond gewachsen, wurden aber bei Mondlicht gepflückt. Genauer: bei Vollmond. "Ausgerüstet mit Stirnlampen und Fackel, wird die ganze Nacht geerntet", schreibt Edeka, und der Aufwand lohne sich: "Aufgeladen mit der Energie des Mondes, schmecken diese Früchte besonders saftig und süß."

Während der Geschmack eine individuelle Sache ist, sind Zahlen objektiv. Verglichen mit normalen Äpfeln im selben Prospekt, kosten die Mondäpfel das Dreifache. Allein mit Nachtarbeitszuschlägen für die Erntehelfer oder den höheren Energiekosten des Mondlichts kann das vermutlich nicht erklärt werden. Aber was weiß ich schon.

Das mit dem Aufladen ist jedenfalls so eine Sache. Prinzipiell wird ja jeder Apfel, während er am Baume baumelt, nachts vom Mond beschienen und gelegentlich sogar vom Vollmond. Wenn der Mond den Apfel dabei aber wirklich mit Energie aufladen würde, müsste diese Energie ja auch noch im Apfel stecken, wenn dieser erst am nächsten Tag gepflückt würde. Warum sich also um den Schlaf bringen? Gerechtfertigt wäre das nur, wenn die Sonnenstrahlen des nächsten Tages den Apfel wieder entladen würden. Was wiederum den Empfehlungen aller Gartenratgeber widerspräche, man möge bitte auf einen sonnigen oder zumindest halbschattigen Standort achten, wenn man ein Apfelbäumchen pflanzen wolle. Warum sollte man einen Apfelbaum ausgerechnet dorthin setzen, wo Äpfel systematisch entladen werden? Da ist irgendwo der Wurm drin. Also in der Argumentation.

Wie saftig und süß Äpfel sind, hängt übrigens vor allem von der Sorte ab. Unabhängig davon, wann sie geerntet wurden.