Von Bruno Lüdke, der am 3. April 1908 in Cöpenick bei Berlin geboren und an einem nicht genau datierbaren Apriltag des Jahres 1944 in Wien getötet wurde, gibt es nur zwei Fotografien, die ihn, pathetisch gesagt, als lebendigen Menschen zeigen. Beide wurden in den Dreißigern aufgenommen, beide vor seinem Elternhaus, in dem er auch als Erwachsener noch lebte: Schiebermütze, Zigarre, hier einen Hund, da ein Pferd an der Leine haltend. Zuversichtlich lächelt Lüdke in die Kamera. Sonst sind Gipsabdrücke seiner Hände überliefert und eine Gipsbüste, die Pathologen seinem Kopf abgenommen haben. Gruppenbilder mit Kriminalbeamten, auf vermeintlichen Tatortbegehungen entstanden; Lüdke, der von Polizisten rasiert wird. Aber das sind bereits Zeugnisse einer Chimäre, Spuren eines lebenden Toten, der posthum zur Legende gemacht wurde.